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Interview

Interview mit Extremsportler und Ultra Radmarathon Weltmeister Christoph Strasser

Was tust du, wenn du nicht gerade Rad fährst?

Es gibt sehr viele Dinge die ich liebend gerne mache, wie zum Beispiel Lesen, Kochen und mit meinem uralten Campingbus auf Urlaub fahren – natürlich mit meinem Fahrrad im Gepäck. Dabei zieht sich  ein angenehmer roter Faden durch meine Hobbies. Irgendwie ist alles auf den Sport ausgerichtet, aber nur in dem Ausmaß wie es mir selbst Spaß macht – ich koche am liebsten selbst die gesunde Sportlerkost, surfe gerne im Internet und bastle an meiner Homepage herum und lese vor allem Bücher von Sportlern oder von anderen interessanten Persönlichkeiten die sich einen Lebenstraum verwirklicht haben.

Chris beim Interview

Chris beim Interview

Stell uns bitte deinen Sport etwas genauer vor!

Mein Sport ist der Extremradsport oder auch Langstreckenradsport genannt. Im Gegensatz zum bekannten Profiradsport werden im Extremradsport ganz andere Distanzen in einem ganz anderen Tempo bewältigt. Die Profis sind in Teams organisiert, fahren kürzere Distanzen bis maximal 250 Kilometer in enorm hohem Tempo. Das recht hektische Fahrerfeld ist oft bis zu 190 Fahrern groß und es gewinnt meist der schnellste Sprinter oder der leichtfüßigste Bergfahrer. Die Extremrennen fangen erst bei 500km an und werden ohne Pause also nonstop gefahren…
Es gibt mittlerweile viele 24 Stunden Rennen, wo der Sportler versucht in der vorgegebenen Zeit so viele Kilometer wie möglich zurückzulegen.

Und es gibt die ganz großen Events, für meinen Geschmack die echten Extremrennen, wo du eine sehr lange und schwierige Strecke absolvieren sollst. Beipielsweise den „Glocknerman“ über 1010 Kilometer oder das berühmte „Race Across America“ von der West- zur Ostküste der USA über circa 5000 Kilometer. Hier spielen neben der körperlichen Leistung natürlich ganz andere Fähigkeiten eine Rolle – der Umgang mit Schlafentzug, die richtige Ernährung, ein funktionierendes Betreuerteam, immer wieder kehrende Motivationsfähigkeit und mentale Stärke!


Wie bist du dazu gekommen?

Mit 18 Jahren habe ich meine Fussballschuhe an den Nagel gehängt und mir hat  Mountainbiken bereits großen Spaß gemacht. Gleichzeitig sah ich mit großer Begeisterung im Fernsehen einen Bericht über Wolfgang Fasching, der damals gerade das „Race Across America“ bestritt und war völlig aus dem Häuschen. Mir war damals noch nicht bewusst dass das die Initialzündung für mein jetziges Leben war…
Später ergab sich zufällig die Teilnahme bei einem 24 Stunden Rennen, weil meine Kumpels absagten und die geplante Vierer Staffel nicht zustande kam. Ich versuchte es alleine, stand mit Laufschuhen, einem alten Bike und einem T-Shirt am Start.
Mir gefiel all das, ich hatte mein Talent entdeckt und seitdem geht alles wie von selbst…


Wie lange betreibst  du diese Sportart nun schon?

Das erste 24 Stunden Rennen bestritt ich total untrainiert mit 19Jahren, das war vor 5 Jahren. Fünf  Jahre Training sind in so einer extremen Ausdauersportart ein sehr kurzer Zeitraum, mir kam aber meine aktive Kindheit und das Fussballspielen zugute. Trotzdem zeigt es, wie viel man erreichen kann wenn man an sich glaubt und an sich arbeitet.


Betreibst du auch andere Sportarten?

Meine Lieblingssportart ist ganz einfach das Radfahren. Auch wenn ich es fast täglich mache, ist es jedes Mal schön. Alternativsportarten mache ich nicht so viele, während der Saison sowieso nicht. Im Herbst, wo das Training nicht so wichtig ist, gehe ich gerne auf Berge, schwimme, laufe und mache Schitouren.


Warum machst du das? Ziehst du daraus Kraft? Was geht dir durch den Kopf, wenn du dich zu solchen Leistungen überwindest?

Die Faszination des Langdistanzradsports ist für mich die geistige Herausforderung.
Wie kann ein Mensch über so lange Zeit ohne zu schlafen eine Strecke von Tausenden Km absolvieren? Was passiert dabei im Kopf? Wie kann ich mit meinen Gedanken den übermüdeten Körper dazu bringen noch immer seine Leistung abzurufen?

Diese Frage nach dem Warum bekomme ich oft von Leuten gestellt.
Zum einen ist es die Herausforderung ein solches Abenteuer anzunehmen und zu überstehen. Es reizt mich auf ein Ziel hinzuarbeiten, von dem viele Leute sagen dass es doch unmöglich sei! Desto mehr Leute das sagen, umso motivierter bin ich!
Zum anderen ist der Sport die Möglichkeit einen Traum zu verwirklichen. Daraus ziehe ich sehr viel Kraft!
Meine Gedanken sind dabei meist nach innen gerichtet aber immer konzentriert und beim aktuellen Geschehen.

Für mich gibt es nichts schöneres, als in einer sternenklaren Nacht am Rad zu sitzen. Man hat zwar ein Gefühl des Wettkampfes und auch der Müdigkeit, ist aber trotzdem mit sich und seinen Gedanken alleine. Durch hohe Konzentration kann ich mich in das "Runner's High" begeben, einem geistigen Zustand wo man auf einmal keine Schmerzen mehr spürt und alles einfach und wie von selbst funktioniert. Man fühlt sich wie in Trance. Ich konzentriere mich auf jeden Atemzug, auf jeden Herzschlag, auf jede Muskelkontraktion und kann dadurch auch meine Leistung steigern!


Bedarf es überhaupt einer extremen Überwindung?

Das mit der Überwindung ist so eine Geschichte. Alles was während eines Wettkampfes passiert geht wie von selbst. Auch wenn es teilweise beschwerlich und hart ist, an aufgeben wird nicht einmal gedacht. Somit brauche ich mich auch nicht zu überwinden, weil ich sowieso keine Alternative zum Weitermachen habe.

Die Überwindung spielt aber eine große Rolle beim Training. Es ist oft nicht angenehm sich im Winter drei Tage hintereinander für 7 Stunden auf den Heimtrainer zu setzen. Damit man das im Kopf durchsteht muss man ganz genau wissen wofür man das tut und ein Ziel haben das man gern erreichen will.

Der Wettkampf ist schließlich der lang herbeigesehnte Höhepunkt - wie die Präsentation von dem, was man das ganze Jahr über erarbeitet hat.


Doping? Ein Thema für dich? Glaubst du, dass jetzt alle Radsportler darunter leiden könnten, werden?


Doping ist ein leidliches Thema…
Ich glaube nicht dass es einem Extremradsportler helfen kann. Wie sollte eine chemische Reaktion im Körper eine so große Willenskraft erzeugen? Ich brauche keine Maximalleistung über ein paar Stunden, ich brauche viel mehr mentale Stärke und Sinn für mein Tun. Wenn ich dopen würde, werden dadurch meine körperlichen Reserven bis aufs letzte ausgereizt – bei einer Tour über einige Tage begebe ich mich ans körperliche Limit und würde dieses mit Doping eventuell überschreiten, was lebensgefährlich wäre. Doping im Extremsport ist kontraproduktiv!


Welches Ziel in deiner Sportausübung hast du?

In den vergangenen Jahren habe ich schon viele Ziele erreicht. Aber all diese Ziele waren nur kleine Schritte zu dem großen Ziel – dem Race Across America…
Im Jahr 2009 werde ich dieses Radrennen quer durch die USA bestreiten, irgendwann will ich auch einmal der Sieger sein!
5000 Kilometer von der West- zur Ostküste Amerikas…
Wüsten, die Rocky Mountains, unendliche Ebenen, Einöde und Hitze. Das härteste Extremradrennen der Welt. Tag und Nacht am Rad, immer nur das Ziel vor Augen. Wer schläft verliert. Das ist das „RaceAcrossAmerica“!

Auf längere Sicht gesehen sind meine Ziele aber anders definiert. Ich will vor allem jungen Menschen Mut machen und zeigen, dass sie auch die utopischsten Ziele verwirklichen können, wenn sie fest daran glauben. Ich will gesund bleiben, ein erfülltes Leben haben, und schön wäre es auch vom Sport meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Es ist mir aber wichtiger das zu tun was ich gern tue, als mich einem gut bezahlten Job zu stellen der mich unglücklich macht!


Wie steht es um dein Privatleben? Bleibt dir eigentlich noch zeit für dich, Familie, Freunde und Freundin?


Es bleibt nicht sehr viel Zeit…
Aber entscheidend ist nicht die Menge der Zeit, sondern die Art und Weise wie ich sie nutze! Meine Freundin und ich haben eine schöne Beziehung, mit meinen Freunden treffe ich mich oft und bei meiner Familie bin ich fast jedes Wochenende.
Und die Zeit für mich – die habe ich jeden Tag während des Trainings. Da fühle ich mich frei, meine Gedanken sind klar und es geht mir gut.

Extremsport Tagebuch Race Across America

20.August '10 - kurz vor dem Race Around Austria, die letzten Vorbereitungen in Schärding und ein Rückblick zum Transaustria...

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Race Across America Tagebuch von Ultra Radmarathon Weltmeister Christoph Strasser
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Eduard Fuchs

Auf ein neues!

Hi Christoph!

Ich hoffe du bist jetzt 1 Woche nach dem Rennen schon wieder am Weg der Besserung. War mir eine Ehre ein "kleines Duell" mit dir zu haben. Bedaure sehr das es gesundheitlich nicht klappte. Auch ein 2. Platz hinter dir wäre noch immer ein Riesenerfolg für mich gewesen.
Nächstes Jahr wird sich sicherlich wieder diese Chance ergeben um gemeinsam am Stockerl zu stehn.
Gute Besserung und freu mich schon wieder mit dir mal zu trainieren.
LG
Edi