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Aktuelle News

Mein persönlicher Bericht vom RAA: Come back stronger – das Motto in die Tat umgesetzt

Zwei Wochen nach dem Race Around Austria bin ich wieder voll erholt und im lockeren Training. Im Urlaub in Italien habe ich Zeit, meine Gedanken zu ordnen und das RAA nochmals Revue passieren zu lassen: Ängste, Lernprozesse, Teamgeist – das sind die Schlagworte wenn ich an das RAA zurückdenke…

Ich möchte an dieser Stelle allen Finishern zur famosen Leistung gratulieren, es war durch die Hitze ein außergewöhnlich hartes Rennen!

Link: detaillierte Ergebnisse mit allen Zwischenzeiten http://gps.seltec-sports.com/ranking/2015/raa/index.php

Link: Race Around Austria 2015 - die Dokumentation (30min, gleich wie ORF): www.youtube.com

Fotos: (c) Manuel Hausdorfer www.lime-art.at

Danke an mein fantastisches Team!

Ein riesengroßes Danke gilt neben meinen Sponsoren und allen Unterstützern auf der Strecke vor allem meinem Team, die mit fehlerfreier Betreuung den neuen Rekord ermöglichten. Besonders hervorheben möchte ich unseren RAA-Praktikanten. Er hat sich trotz schwierigem Einstand auf alle Fälle ein Mitarbeits-Plus verdient. Denn egal was die anderen denken, ich finde er hat seinen Job gut gemacht. Für mich sind die vielen Social-Networks und deren kryptische Kurzsprache ein verwirrender Dschungel aus Zeiträubern, den ich gerne meide. Aber mit dem Häschtäg #jawui hat sich unser Praktikant sogar in dieses Terrain gewagt, und das mit Erfolg. Aufgrund dieser Leistungen hat er sich einen Aufstieg vom Schnupperpraktikum zur Lehrstelle erarbeitet!

Ich glaube das RAA war die perfekte Antwort auf das Ausscheiden beim RAAM. Man hat heuer gesehen, dass es in diesem Sport jeden Erwischen kann, dass ein Finish nicht selbstverständlich ist und dass ich auch nur ein normaler Mensch und keine Maschine bin. Rückschläge und Scheitern gehören im Sport dazu, man kann nicht immer ganz oben sein. Doch es geht darum, wie man mit solchen Situationen umgeht. Nach dem RAAM wollte ich stärker zurückkommen und habe die nötige Lektion gelernt. Was mich selbst am meisten freut, ist die Tatsache, dass ich mich trotz einer gewissen Portion Angst der Herausforderung RAA gestellt habe. Kurzum: Ohne das bittere RAAM hätte ich das RAA in dieser Form sicher nicht geschafft.

Wolfgang Fasching und Sevi Zotter

Ein paar abschließen Gedanken:

Minimale Schlafzeit: Insgesamt war es genau eine Stunde, aufgeteilt auf 3 Powernaps. Das ist vermutlich die untere Grenze um noch leistungsfähig und konzentriert genug zu bleiben, und es funktioniert auch nur bei gutem Wetter. Im Vorjahr benötigte ich etwas mehr Schlaf, auch begründet durch den Regen und die Kälte.

Reifen, Material: Auf den sehr schlechten Straßen in Amerika hatte ich die Vorteile des Specialized Turbo Cotton Reifens wegen einiger Defekte nicht wirklich ausnutzen können. Doch beim RAA war dieser schnelle Reifen sicher ein wichtiger Faktor für das hohe Tempo, es gab insgesamt nur zwei platte Reifen auf 2200km. Zusätzlich war das Wechseln zwischen Roubaix und Shiv sehr wichtig, ich bestritt alle flachen Abschnitte auf dem Zeitfahrrad und nutzte die Aerodynamik so gut wie möglich aus.

Organisation, Stimmung, Fans: Die Organisatoren des RAA schafften es wieder, das Rennen noch besser zu machen, die Atmosphäre im Start- und Zielbereich ist unvergleichlich zu allen anderen Ultracycling-Rennen, das Interesse und die Begeisterung der Zuseher entlang der Strecke ist unglaublich und die zur Verfügung gestellten GPS-Tracks sind fehlerfrei. Ich kann nur ein riesengroßes Kompliment an das RAA-Team von Michael Nussbaumer aussprechen!

Officials: Rund um die Uhr waren Schiedsrichter in unserer Nähe, die meiste Zeit sogar in Sichtweite. Die Aufgabe der Officials war aber nicht nur Zeitstrafen zu verteilen, sondern vielmehr uns auf Gefahren hinzuweisen, bei Baustellen die Umleitung anzuzeigen oder einfach zu fragen wie es dem Radfahrer geht – im Ernstfall würde der Official eine Schlafpause verordnen, wenn der Fahrer zu müde und unsicher am Rad wird.

der unglaublich geile Zieleinlauf #jawui

Wir erreichten mit einer Fahrzeit von 3d:14h:44min um 00.26 Uhr das Ziel! Die Atmosphäre war unglaublich, Gänsehaut pur. Begleitet von einem Motorrad ging es durch die Festzelte und einem Spalier von Tausenden Leuten bis hin zur Bühne! Es gab eine Sektdusche und einen mehr als würdigen Empfang. Alleine dieser Moment entschädigt für alle Strapazen. Besonders hat es mich gefreut, dass Sevi Zotter und Wolfgang Fasching im Ziel auf mich gewartet haben, mir gratulierten und die Siegertrophäe überreichten. Der ganze Frust vom RAAM, die ganze Anspannung der letzten Wochen, alles fiel nun von mir ab. Die Freude war grenzenlos!

Kuchl wurde überraschenderweise umbenannt

Auch Arnold zeigte seine Qualitäten als begnadeter Bergläufer und  war fast den kompletten Anstieg neben mir. Laut Zwischenzeit waren wir in Bischofshofen tatsächlich knapp vor dem Streckenrekord, was mich natürlich extrem motivierte. Es klang so einfach, doch es ist in einem Ultracycling-Rennen am vierten Tag so schwierig: Um den Rekord zu knacken hatte ich für die letzten hügeligen 95km 3:40h Zeit – also ein knapper 25km/h Schnitt. Geladen mit einer ordentlichen Portion Koffein und Ensure gab ich einfach nochmals alles und wollte mich nicht auf Rechnereien und Spekulationen einlassen. Mein Team war nun mit beiden Autos bei mir und drehte fast durch vor Aufregung und Motivation, die Begeisterung und der Teamgeist sprangen auf mich über. Auch die Info, dass in St. Georgen beim Marktfest wieder Tausende Leute auf den Zieleinlauf warteten, gab mir noch weitere Energie und so gelang es tatsächlich:

mit Begleitung auf den Dientner Sattel

Ähnlich stressig ging es dann durch das stark befahrene Inntal bis nach Kufstein, Kössen und Saalfelden. Mir ging es richtig dreckig, es wurde wieder sehr heiß, ich musste oft allein fahren und hätte die Unterstützung vom Team und das Gespräch mit ihnen dringend gebraucht – doch wegen Stau nicht möglich. Irgendwie kam ich aber doch zur letzten Pause, das zweite Auto stand bereit und es gab einen letzten Powernap. Zitternd und gezeichnet von den Strapazen, mit Schmerzen in den Gelenken und am Hintern war ich nach 20 Minuten wieder am Rad. Ich kannte solche Situationen nur zu gut und wusste, dass das Einzige, das diesen Zustand verbessert war, so schnell wie möglich weiterzufahren. Bis zum Anstieg auf den Dientner- und Filzensattel ging es mir dann wieder besser und ich konnte sozusagen zum „Zielsprint“ ansetzen. Im Gegensatz zu 2014 konnte ich die letzten Anstiege wieder mit ordentlich Druck fahren, bergauf brachte ich immer noch deutlich über 200W auf die Pedale. Es waren jetzt wieder viele Radsportfans am Streckenrand und trieben mich an, ein kleiner Einblick in diesem Video.

das Verkehrschaos am Fernpass, ein Horror!

Die folgenden sehr steilen Anstiege waren hart: Faschinajoch und Hochtannberg konnte ich noch in der Nacht bezwingen, allerdings wurde das Verbot von Musik über die Lautsprecher zur Belastung. Es wäre so schön gewesen dadurch gepusht zu werden, doch im Reglement war dies wegen Lärmbelästigung der Anrainer verständlicherweise untersagt. Die Alternative war nur Musik über Kopfhörer, doch das wollte ich nicht, dadurch fühlte ich mich abgekapselt. Also versuchten wir selbst ein bisschen zu singen und ein paar „Josef-Hader-Songs“ mit adaptierten Texten zum Besten zu geben. Gut dass uns niemand gehört hat, lustig war es aber definitiv! Oben am Faschinajoch wurden wir sogar mit bengalischen Feuern begrüßt, doch die Jungs am Straßenrand riefen mir zu: „Gemma Straps! Aber wo ist der Praktikant? Wegen dir sind wir nämlich nicht da!“

Richtig brutal wurde es dann auf dem Fernpass, die Müdigkeit ließ mich nicht los, mein Team aber sehr wohl. Sie mussten im dichten Verkehr immer wieder stehenbleiben, bzw. steckten im Stau fest. Nun war ich also sehr oft auf mich alleine gestellt, musste mit voller Konzentration den Autokolonnen trotzen und mich zwischen teils aggressiven Fahrern behaupten. Da kommt mir immer wieder meine Erfahrung als Radkurier zugute, denn dabei lernt man sich zwischen Autos zurechtzufinden. Trotzdem blieb ich einige Male stehen, um mich zu sammeln und meine Verunsicherung abzuschütteln. Obwohl es keine Abzweigungen gab, kontrollierte ich immer wieder meine Route am Garmin, da ich in meiner Verwirrung Angst hatte, einen Fehler zu machen.
Besonders skurril war die Durchfahrt durch Biberwier: Wegen einem Kirchenfest (es war Maria Himmelfahrt) war die Straße für Autos gesperrt, und ich musste ohne Begleitung durch das Ortszentrum. Ich kam genau rechtzeitig zum Festzug und musste mitten durch die Schar aus Ministranten und Festgästen fahren. Von einem Gehsteig runter hüpfen, vorbei am Priester, mit einem Bunny-Hop rauf auf den anderen Gehsteig und raus auf die Hauptstraße – danach war mein Adrenalinspiegel wieder hoch und ich mental voll da!

von Innsbruck hinauf Richtung Kühtai

Mittlerweile interessierte ich mich auch für die Zwischenstände und merkte, dass ich noch Reserven für die zweite Hälfte des Rennens hatte. Der Vorsprung auf Patric dürfte so etwa 100km betragen haben, was aufgrund des leider fehleranfälligen Tracking-Systems nicht ganz genau zu sagen war. Aber der Rückstand auf meine Rekordzeit 2014 wurde immer kleiner und so nahm ich mir diese als neuen „virtuellen Partner“, wie es am Garmin Edge so schön heißt. Es war mein Traum vor dem Start, dass ich gesund über den Glockner komme und dann noch zulegen könnte – und jetzt bestand die Chance das Ganze zu realisieren!
Durch meine akribische Vorbereitung und die genaue Besichtigung der Route durch das verwinkelte Innsbruck, kamen wir auch hier fehlerfrei (ohne Verfahrer wie 2014) und schnell voran, erreichten bei angenehmen Temperaturen das Kühtai und nahmen die Abfahrt nach Ötz wieder sehr schnell, da ich dieses Gebiet vom Training her auswendig kannte.

In der folgenden Nacht wurde ich das erste Mal so richtig nass, am frühen Abend sahen wir schon die Gewittertürme über dem Paznauntal und wussten, dass laut Wetterprognose eine Schlechtwetterfront im Anmarsch war. Kurz vor Ischgl erwischte es mich dann so richtig und ich wurde vom Starkregen fast von der Straße geschwemmt, zum Glück dauerte das Unwetter nur eine halbe Stunde. Irgendwie versuchte ich mir einzureden, dass ich diese Dusche genießen sollte. Natürlich konnte ich das selbst nicht ganz glauben, aber man versucht sich das Weiterfahren bei solchen Bedingungen irgendwie sinnvoll zu erklären – normalerweise würde jeder logisch denkende Mensch stehenbleiben und sich schützen, aber wir waren ja bei einem Rennen! Erfrischt und munter, aber auch leicht unterkühlt, erreichte ich dann um Mitternacht bei nur mehr 7°C die Bielerhöhe, wo wir dann das erste Mal im Rennen ein paar Minuten für Kleidungswechsel opferten. Der Regen war mittlerweile vorbei, aber die Straße bergab immer noch nass und sehr rutschig. Mit gedrosseltem Tempo rollte ich also nach Bludenz, und erreichte mit letzter Energie den Schlafplatz für den zweiten Powernap.

Wahnsinns-Stimmung am Hochtor (2504m)

Zur ersten Schlafpause hielten wir nach der Überquerung der Abtei im Mittelteil von Kärnten, es war allerdings nur ein kurzer Powernap. Während ich dahindöste, behandelte Tom meine Knie und zauberte innerhalb von 20 Minuten die entstandenen Schmerzen weg, sodass ich bei lauen Temperaturen um Mitternacht schon wieder im Sattel saß und am Shiv Richtung Lesachtal fuhr. Meiner Meinung nach ist das Lesachtal einer der härtesten Abschnitte des Rennens, hier bin ich nervlich durch die unzähligen steilen Auf- und Abpassagen mit unübersichtlichen Kurven und katastrophalen Straßenbelag immer ziemlich am Limit. Für Philipp, der das Pace Car steuerte, war es auch eine echte Bewährungsprobe, wie wir aber gemeinsam gut überstanden. In der Abfahrt vom Kartitscher Sattel und dem anschließenden Flachstück nach Lienz hatte ich wie immer sehr mit der Müdigkeit zu kämpfen. Das ist der Klassiker: Nach 40h im Sattel sind solche Passagen, wo man es rollen lassen kann, sehr gefährlich. Hier ist das Team gefordert mich wach zu halten, was dank der Sprechverbindung der Cardo-Funkgeräte wie immer super funktionierte.
Eines der Highlights war der Großglockner im Sonnenaufgang, es ging mir hier sehr gut und der Druck am Pedal war verhältnismäßig stark. Vor allem emotional gesehen war hier der Knackpunkt, da es mit 2500m der höchste Punkt des Rennens war, und ich spürte dass in meiner Lunge überhaupt keine Probleme auftauchten, ich war noch immer topfit. Die Stimmung am Hochtor war der reine Wahnsinn: Die Rennleitung vom RAA organisierte eine Busfahrt für Fans, und so durfte ich durch ein Spalier von etwa 100 Zusehern fahren – Gänsehaut Feeling pur!

Riesen Wiesbauer am Straßenrand, Sevi neben mir

Nach dem hügeligen Südburgenland bekam ich in der Steiermark, an der Weinstraße und der Soboth, sehr viel Unterstützung von Zuschauern: Neben vielen Freunden und Bekannten, die mich immer wieder vom Straßenrand aus anfeuerten, kam auch RAAM-Sieger Sevi Zotter vorbei, um auf die Soboth ein kleines Stück mit mir zu radeln. Laut Reglement sind ja 15 Minuten nebeneinander fahren erlaubt, und die wurden gut genutzt um zu plaudern. Diese Unterstützung tat extrem gut und vertrieb nicht nur die Zeit, sondern hielt mich auch geistig fit.
Bei der Abfahrt von der Soboth wurde mir dann das erste Mal bewusst, wie schön das RAA heuer doch war. Kein Umziehen oder stehenbleiben auf der Passhöhe, einfach im Fahren Trikot zumachen und rein in die Abfahrt. Erstmals konnte ich bergab richtig Gas geben und die engen Serpentinen mit vernünftigem Tempo runterziehen. Im Vergleich dazu war es 2014, bei tagelangem Dauerregen, eine vorsichte Abfahrt wie auf rohen Eiern, wo sehr viel Zeit verloren ging.
Apropos 2014: Auf der Soboth war ich noch knappe zwei Stunden hinter meiner Zeit von 2014 zurück. Es klingt zwar etwas unlogisch, aber bei Hitze ist man definitiv langsamer als bei Dauerregen und kalten Temperaturen. Der Regen kühlt einen und man kann seine Leistung viel besser entfalten, langsam macht Schlechtwetter eigentlich nur in Abfahrten oder durch das öfter notwendige Umziehen.

kühlen, kühlen, kühlen!

In der Nacht, als es kühler wurde, konnte ich dann so richtig aufdrehen und an mein gewohntes Leistungsniveau herankommen. Lustigerweise konnte ich auch Zweierteams zurücküberholen und meinen Vorsprung gegenüber den Staffeln ausbauen. Das ist für das Rennen zwar völlig irrelevant, aber für die Moral ziemlich gut! Es lief perfekt, die tagsüber geschonten Muskeln waren noch sehr fit und die Kalorienzufuhr klappte genau nach Vorgabe. Die Müdigkeit hatte ich im Griff und ich kam ohne Pause in den Sonnenaufgang ins Burgenland, wo es aber schon in den Morgenstunden sehr warm und schwül wurde. Obwohl es am zweiten Tag noch wärmer werden sollte, lief es weiterhin sehr gut – sogar besser als an Tag eins. Mein Körper hat sich an die Hitze gewöhnt und das Kühlungskonzept von Hyperkewl funktionierte wieder super. Mein Team war rund um die Uhr im Einsatz um Eiswürfel zu besorgen und mich damit zu überschütten, doch dadurch konnte ich ununterbrochen in die Pedale treten und kam meiner Heimat, der Steiermark immer näher.

Interview vor dem Start in St. Georgen

Das Rennen:
Das RAA startete zu einer eigentlich perfekten Zeit, um 9.42 Uhr ging es für mich als Titelverteidiger und letzter der Startreihenfolge los. Morgens zu starten hat viele Vorteile wenn man an den Schlaf denkt, doch von der zu erwartenden Hitze war es nicht so lässig, immerhin wurden für den ersten Tag wie so oft in diesem Jahr mehr als 35°C prognostiziert. Und genauso kam es auch, bereits nach einigen Stunden erlebten wir die Hitze in ihrer vollen Wucht. Ich litt unter den tropischen Temperaturen und drosselte bewusst mein Tempo, war anfangs nur Dritter hinter Patric Grüner und Pierre Bischoff. Genau diese zwei erwartete ich auch ganz vorne und sah sie als schärfste Konkurrenten.
Bei den letzten Anstiegen vor dem Mühlviertel, nach etwa 4 Stunden Fahrzeit, sah ich allerdings Pierre am Strassenrand. Er sah in dem Moment gar nicht gut aus und musste pausieren. Kurz darauf fuhr ich auch am ebenso pausierenden Patric vorbei und war etwas irritiert: Ich dachte, dass ich viel zu langsam unterwegs war und noch keine Chance auf die Führung hätte, meine Leistungsdaten waren eher schwach und ich brauchte all meine Kraft um mich irgendwie im Sattel zu halten. Doch anscheinend litten die anderen Fahrer noch mehr und unser Konzept für die Hitzeresistenz mit der Wüsten-Erfahrung vom RAAM wirkte gut. Das beflügelte mich natürlich und war eine Bestätigung, dass die „Vorsichts-Taktik“ anstatt der „Brechstangen-Taktik“ in dem Fall die richtige war.

Kougi, Tom, Philipp, Flo, Rainer, Hausi, (Arnold steigt erst später ein)

Das war die Strasser-Crew (alphabetisch):
- Manuel Hausdorfer: Fotograf und Fahrer, mittlerweile eine Fixgröße durch u.a. Erfahrung beim Race Around Ireland und RAA, mehr unter: www.lime-art.at  
- Dr. Rainer Hochgatterer: mein Trainer und Sportarzt konnte sich zumindest den ersten Tag freischaufeln, um mich bis ins Burgenland zu betreuen, mehr unter: www.sportmediziner.at  
- Florian Kraschitzer: navigierte das Pace Car und begeisterte als Live-Ticker Schreiber(lehr)ling seine eigenen Praktikanten-Fanclubs
- Michael Kogler: Teamchef, Motivator und Nachtschicht-Meister, behielt immer alles im Blick und war auch in der Organisation im Vorfeld meine größte Stütze
- Thomas Marschall: Physiotherapeut mit RAA und RAAM Erfahrung vom Team „Geri Bauer“, fügte sich sehr schnell und tatkräftig in unsere Truppe ein, seine Behandlungen hielten mich fit, mehr unter: www.physiopower.at
- Dr. Arnold Schulz: nach dem RAAM das zweite Mal mit viel mehr Ultracycling-Erfahrung in meinem Team, löste Rainer ab und stieg in der Südsteiermark ins Pace Car ein
- Philipp Strasser: lenkte das Pace Car in der Nacht souverän und kümmerte sich um alle technischen Belange

Doc Rainer nach 4x RAAM erstmals beim RAA

Trotzdem hatte ich großen Respekt vor dem RAA, es war sogar etwas Angst dabei. 2010 hatte ich bei dem Rennen auch wegen eines Lungenödems aufgeben müssen, das Problem kann also auch hier auftreten. Was wenn das nochmals passiert? Zweimal hintereinander DNF mit Lungenödem würde in meinem Kopf wohl einen gröberen Knacks verursachen, und auch bei Vorträgen könnte ich keine Geschichte über „Lernen aus Niederlagen“ und „stärker zurückkommen“ erzählen, sondern hätte zwei Mal in Serie denselben „Fehler“ gemacht. Trotzdem war es mir wichtig, mich dieser Situation zu stellen und an den Start zu gehen.

Das Motto für das RAA lautete, mit Respekt und Demut an die Sache heranzugehen. Das RAA ist ein beinhartes Rennen, meiner Meinung nach ist es körperlich härter als das RAAM, da es die gleichen Höhenmeter auf der knapp halben Distanz hat, nur dass die Anstiege in Amerika harmlos gegen die steilen Alpenpässe sind. Mental ist das RAAM durch den längeren Zeitraum und den schlimmeren Schlafentzug natürlich eine ganz andere Nummer. Ich kümmerte mich also nur um mein RAA und um meine Gesundheit, wusste gar nicht so genau wer von den Konkurrenten startete, studierte keine Webseiten der anderen Fahrer. Gesund zu bleiben und wenn möglich am Ende noch Gas zu geben – das war unser Motto. Apropos „unser“ Motto: Das Team musste sehr kurzfristig zusammengestellt werden, da der Start spontan nach dem RAAM fixiert wurde. Im Gegensatz zum Vorjahr wollte ich unbedingt ärztliche Begleitung, es galt kein gesundheitliches Risiko in Kauf zu nehmen.

nach dem RAAM plagten mich Zweifel

Die Ausgangslage vor dem RAA war sehr speziell: Nach dem krankheitsbedingten Abbruch beim RAAM hätte mir jeder Verziehen und viele hätten es vermutlich sogar gutgeheißen, wenn ich die Saison beendet hätte, um mich voll und ganz auszukurieren und kein gesundheitliches Risiko mehr eingegangen wäre. Mich vor einem RAA-Start „zu drücken“ wäre sehr einfach gewesen.

Doch ich wollte es noch einmal wissen, ich wollte für mich die Enttäuschung vom RAAM ausbessern, wollte mein lähmendes, frustrierendes Gefühl gegen Zufriedenheit tauschen und nicht den ganzen Herbst und Winter das negative RAAM im Kopf haben. Ich brauchte etwas Positives als Abschluss der Saison!

Die „Fehlersuche“ nach dem RAAM war intensiv, gegen eine Krankheit kann man schlussendlich nicht viel machen, aber man kann eventuell die kleinen Ursachen der Entstehung erkennen und das Ganze dann vorab vermeiden. So gab es viele Diskussionen und Analysen mit meinem Team. Wir fanden Ansätze und auch ein Konzept eine erneute Lungenkrankheit zu vermeiden, bzw. hatten wir die Hoffnung dass es funktioniert, ein Restrisiko bleibt natürlich immer dabei. Ein Schlüssel war auf alle Fälle das Training in den hohen Bergen bei den Ötztaler Radsportwochen, wo ich 14 Tage als Guide arbeitete und nachmittags immer noch zusätzliche Einheiten fuhr. Viele lange Anstiege auf weit über 2000m standen auf dem Programm, insgesamt über 30 Stunden pro Woche.

Kurz vor dem RAA war ich in Bombenform, ich war so konsequent und fokussiert wie schon lange nicht mehr. Meiner Motivation hat das RAAM-DNF sehr gut getan, es war sozusagen ein Dämpfer zur rechten Zeit. Es gab also keine Kompromisse in der Ernährung, keine ausgelassene Trainingseinheit, keine Termine rundherum, sondern nur Training, Essen, Schlafen. Diesen Luxus kenne ich nicht mehr so gut, denn als „Selbständiger“ habe ich meistens einen vollen Terminkalender und den Kopf nicht komplett frei.

Beitrag vom 30.August 2015