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Aktuelle News

RAAM 2009 - Das Rennen aus meiner Sicht: Fehler, Pech oder Ungeduld?

Hallo liebe Leute, ich hab erst jetzt mal Zeit gehabt alles zu lesen, alle Videos zu sehen, alle Zwischenzeiter der RAAM Fahrer zu studieren... Hier ist mein persönlicher Bericht zu den vielen schönen und den wenigen unschönen Erlebnissen!

Bevor ich alles aus meiner Sicht schildere möchte ich drei Dinge sagen:

DANKE an mein Team: Thomas, Viktor, Albert, Max, Christian, Schöni, Vogs, Lex, Jürgen, Daniel und Zita - jeder einzelne war unersetzbar und war für mich immer kompromisslos da, in jeder Situation, zu jeder Zeit, bei noch so nervenden Tätigkeiten (spätestens in 2 Tagen gibts von jedem Porträits, es war vorher leider zu stressig...)

DANKE für alle motivierenden und aufmunternden Nachrichten, mir wurde jede einzelne vorgelesen und erweckte in mir Stolz, Freudentränen oder einfach nur Spass! Vielen Dank, ohne eure Unterstützung wäre ich nie so weit gekommen, und hätte keinen Mut weiterzumachen...

DANKE an meine Familie, meine Freundin Sabine und meine Eltern. Ohne ihre Liebe, Hilfe im Vorfeld und ihren Rückhalt wäre ich gar nicht bis zum Start gekommen. Ihr seid meine besten!

aus meiner Sicht lief es so:
ich bin bewusst nicht zu schnell losgefahren, zumindest nicht übermäßig schnell. mein puls war in den ersten 24h nur einmal für 3 Minuten über 150! das ist für mich im (dunkel)grünen Bereich - bei normalen 24 Stunden Rennen geht er über 170 oder höher...
Am Berg bei der ersten Zeitstation habe ich 200m hinter mir Jure Robic gesehen, er hat also in den ersten 100 Meilen 20 min aufgeholt - wie erwartet. Allerdings habe ich mich der Abfahrt, die ich im Training 5x gefahren bin und auswendig kannte voll hinuntergelassen, Jure hat sich unten verfahren und die 4 Minuten in der Wüste bei Rückenwind aber ohne befürchteter Hitze (nur 36°C) nicht aufholen können. Irgendwann hat mich Jure dann doch überholt, ich ihn aber wieder zurück, da er Schuhe wechselte.
um Mitternacht machten wir einen "rookiefehler", weil das Medienauto bei mir war und nicht das Pace car (20min diskussion plus 15min zeitstrafe), in denen mich Wyss, Robic und am schluss noch Baloh überholten. so gings lange dahin, in der Reihenfolge. ich habe dabei nie überdreht, bin in der Ebene einfach gut gerollt.

Dann der einbruch von Wyss, und das am Highway, wo nicht überholt werden darf. beim nächsten Exit ließ er uns vor, wo Robic auch schon 20min vorn war. Vorm ersten Berg machte Baloh eine Schläfchen und ich fuhr zügig weiter, an 2ter position bis rauf nach Flagstaff (TS8, bis dahin war ich im Training auch unterwegs). Dann war ich überrascht dass von hinter keiner an mich rankam, bei TS10 ging ich neben jures Camper schlafen, war circa 30min nach ihm da. doch meine Taktik als rookie waren längere schlafpausen (2-3h, um etwas zu erholen und tagsüber keine Müdigkeitseinbrüche zu haben). Während meiner Pause war Robic natürlich auf und davon, auch Wyss fuhr ohne Pause vorbei (er hatte in der ersten Nacht seine Krise und nutzte die vermutlich auch zum "Vorschlafen"). So fuhr ich guter dinge in toller Verfassung ins Monument Valley, bis mich Marko mit vollgas überholte, bei seiner Pause kam ich nochmal an ihm vorbei, doch danach ließ er mich wieder stehen.

So weit so gut, ich war nicht überlastet, nicht müde, fühlte dass es das beste rennen meines lebens wird. Als rookie inmmitten der besten der Welt, ohne mich zu übernehmen und ohne geistiger Übermüdung - was wollte mein Herz mehr? In der dritten Nacht kamen die hohen Rockies, während Wyss am Fuss des höchsten passes schlief überquerte ich ihn als zweiter hinter Robic (ich konnte es selbst nicht glauben!!). Legte danach wieder eine 2,5h stunden pause ein. Schon am nächtlichen Anstieg spürte ich die dünne luft ganz extrem, fuhr ganz langsam und behutsam wegen Sauerstoffnot. am Morgen gabs Regen, konstante Höhe über 2000m und weitere hohe Berge. In meiner bewusst längeren Pause überholten Bahlo und Wyss wieder. den eitrigen Hintern hatten wir im griff, das ist lästig aber kein abbruchgrund. doch ich wurde kurzatmig, hatte schleimigen Auswurf, fuhr mit 3km/h bergauf und kippte fast vom rad - der Doc verordnete Antibiotika, war sicher richtig. am Nachmittag überwand ich einen schlimmen Einbruch und fuhr noch lange in die mittlerweile flache nacht. 3h Schlaf, eine diagnostizierte Bronchitis, und ein flaches Gelände - das waren die Vorzeichen für das restliche RAAM. Ich wollte nur locker um gesund zu werden weiterrollen, war aber von der pause erholt und fuhr doch recht gut, konnte auch Gerhard Gulewicz nochmal zurücküberholen. Doch Nachmittags wurde mein schleimiger Auswurf blutig, ich trank sehr viel, trotzdem war meine körpereigene kühlung überfordert. Steigendes Fieber und die schlimmer werdende Bronchitis plus 38°C Hitze bei 70% Luftfeuchte waren zu viel. Ein paar Pausen, ein paar Versuche zu behandeln, kühlen und weiterzufahren, dann die Entscheidung zur 6h und dann 24h Pause - ich hätte auch nach 36h noch weiterfahren können, vom Zeitlimit her...


Doch die Nacht war schlimm, ich musste ins Krankenhaus und habe leider eine Lungenentzündung erwischt. die Höhe, der Regen über 2000m, dann die unerwartete Hitze in Kansas (der heißeste Juni aller zeiten hier!)
die Docs im Krankenhaus sagen sie tippen auf ein Virus, doch die Schweinegrippe ists nicht :-)

naja, was solls, ich war gut unterwegs, denke ein Spitzenplatz wäre drin gewesen, Gesundheit geht vor und kann man nichts erzwingen. es waren vielleicht Fehler dabei, ich weiß noch nicht welche genau. Jedenfalls hirnloses schnellfahren zu Beginn war es nicht. Das macht hier nicht mal Jure.
im Vergleich zu anderen Ultrarennen startet auch er hier eher gemütlich.
Ich bin STOLZ, dass ich nicht zu früh aufgegeben habe, aber auch nicht um jeden (gesundheitsbedrohlichen) Preis weitergemacht habe. Ich werfe mir nichts vor und sehe positiv in die Zukunft.

Liebe grüße aus dem Krankenhaus am halfwaypoint des RAAM, es geht mir schon besser, Chris

 

Beitrag vom 24.Juni 2009