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Ein RAAM - Sieg fürs Geschichtsbuch

Der Steirer Christoph Strasser ist mit 28 Jahren der jüngste Gewinner des Race Across America. Sein Vorsprung auf den Zweitplatzieren Amerikaner Mark Pattinson betrug beachtliche 16 Stunden und 35 Minuten. Mit knapp 24 Kilometern pro Stunde fuhr Strasser außerdem die fünftschnellste Zeit in der mittlerweile 30-jährigen Geschichte des RAAMs.

Mit einer bescheidenen Zielsetzung nahm der Steirer Christoph Strasser am Mittwoch vor einer Woche um 12 Uhr Ortszeit die 30. Jubiläums-Auflage des Race Across America in Angriff: „Ich will dieses Mal nur gesund ins Ziel kommen und denke nicht über die Platzierung nach. Die ergibt sich von selbst wenn ich meine Leistung voll abrufe. Wenn alles gut läuft kann ich unter die besten Drei kommen.“ Acht Tage, acht Stunden und sechs Minuten später trug sich der Mann aus Kraubath in die Siegerliste des berühmtesten und härtesten Nonstop-Radrennens ein. „Ich habe mir einen langjährigen Traum erfüllt, ich kann es in Wirklichkeit noch gar nicht glauben“, sagt Strasser und fährt fort, „nach der zweiten Nacht im Rennen habe ich gewusst, dass ich dieses RAAM gewinnen könnte. Aber es war noch ein weiter und harter Weg. Wie lange dieses Rennen wirklich ist, merkt man erst auf den letzten Tausend Kilometern!“

Außerdem schrieb Strasser als jüngster Sieger des RAAMs Geschichte. Mit 28 Jahren löste er seinen steirischen Landsmann und sein Idol Wolfgang Fasching, als jüngsten Sieger ab. Der dreifache RAAM-Triumphator Fasching spricht in höchsten Tönen über seinen Nachfolger: „Ich kenne Christoph jetzt seit zehn Jahren und er hat von Beginn an ganz genau gewusst, was er will. Er ist immer seinen Weg gegangen, auch während einiger Rückschläge. Christoph hat das RAAM in einer beeindruckenden, in einer ganz souveränen Manier gewonnen. Er kann stolz sein auf seine Leistung. Ich freue mich riesig für ihn.“ Fasching spielt auf die hohe Durchschnittsgeschwindigkeit von Strasser an. Knapp 24 Kilometer pro Stunde zeigte der Radcomputer nach der Überquerung des Zielstrichs in Annapolis an. In diese Geschwindigkeit sind aber alle Pausen mit eingerechnet. „Meine Betreuer haben mir gesagt, dass es die fünftschnellste Zeit in der Geschichte des RAAMs ist“, sagt Strasser stolz.

Ein weiterer Schlüssel zum Erfolg dürften die knapp bemessenen Schlafpausen gewesen sein. Mit nur siebeneinhalb Stunden Schlaf spulte der Wahl-Grazer die 4828 Kilometer von Oceanside bis Annapolis ab.
Weitere Fakten: Im Monument Valley, nach 1100 gefahrenen Kilometern, übernahm Strasser die Führung und baute sie bis ins Ziel auf 16 Stunden und 35 Minuten auf den zweitplatzierten US-Amerikaner Mark Pattinson aus. Einer der Mitfavoriten, der Slowene Marko Baloh, landete nach sehr starkem Beginn schlussendlich auf Rang drei.

Kritische Momente gab es natürlich auch. Nach zwei Drittel des Rennens schaute Strassers Hinterteil schwer mitgenommen aus und verursachte schlimme Schmerzen, ein Sitzen war kaum mehr möglich. Der Strassenbelag war teilweise katastrophal schlecht, die Fahrer mussten am holprigen Pannenstreifen des Highways fahren. Teamarzt Dr. Hochgatterer hat es mit einer Salbenbehandlung und einer aufgeklebten Folie aber geschafft, dass die Wunde während des Fahrens wieder heilt. Eine große Hilfe waren auch die speziell angefertigten Hosen von owayo, dem Bekleidungsausrüster Strassers. Mit einem hochqualitativen Sitzpad war das Weiterfahren möglich.

Wolfgang Fasching gibt dem frischgebackenen RAAM-Sieger noch einen gut, gemeinten Ratschlag: „Ich hoffe, dass Christoph jetzt nicht den Fokus auf den Sport verliert. Er hat nämlich das Zeug, dass er noch einige Siege beim RAAM feiert. In seinem Alter muss der Sport im Vordergrund bleiben und dafür benötigt er die Unterstützung der Sponsoren“.
Welche Wettkämpfe Strasser in dieser Saison noch bestreitet entscheidet sich kurzfristig, je nach Fitness und Erholung nach den Strapazen.

Beitrag vom 30.Juni 2011