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Aktuelle News

Vorbereitung RAAM 2013

Das Tagebuch von meiner Vorbereitung für das Race Across America 2013 in Kalifornien - Hitzetraining und Akklimatisation im Anza Borrego State Park mit einige Anekdote abseits des Rades.

Dienstag, 11.6.
Der letzte Abend, ich halte mich kurz… Heute beim Racer-Meeting und auch schon davor haben wir viele Teilnehmer, viele nette Leute von der Organisation, alte Freunde und Konkurrenten getroffen. Es war eine schöne Stimmung, die Anspannung steigt nun langsam aber sicher doch ganz schön an. Ich möchte mich schon jetzt bei allen Freunden, Fans und Leuten bedanken, die mich anfeuern werden und mir die Daumen drücken.
Mein Team leistet perfekte Arbeit, es ist eine Freude, ich kann mich voll auf das Rennen konzentrieren.
Die nächsten 8-9 Tage, ich hoffe das geht sich aus, werden hart, sie werden zeitenweise auch brutal werden, aber es wird Spaß machen. Wir werden eine geniale Zeit haben, alles geben, Seite an Seite um das Finish und den Sieg kämpfen. Ich werde alles geben was ich in mir habe und dann noch ein bisschen mehr. Ich will gesund im Ziel ankommen aber nicht 1% Kraft übrig haben, ich will das Beste aus mir heraus holen, was ich jemals geschafft habe. Ich brauche eure alle Unterstützung und freue mich auf die Motivation von zuhause.

Danke,
Euer Christoph!

PS: Ab jetzt berichtet meine Crew, ich lege mich aufs Ohr und werde mich nur mehr auf eines konzentrieren: So kräftig wie möglich, abwechselnd links und rechts nach unten zu drücken.

Montag, 10.6.

Entspannung, Massage, Faulenzen, Essen und Trinken - das waren die dominierenden Themen meines heutigen Tages. Meine fleißigen Helfer waren den ganzen Tag mit Einkaufen, Autos bekleben, Technik einbauen und Räder servicieren beschäftigt. Wir sind so perfekt eingespielt, dass wir am Nachmittag noch Zeit für den Strand hatten. Noch zwei Tage bis zum Start!

Sonntag, 9.6.
Das Trainingscamp in Borrego Springs geht heute zu Ende, am Morgen brechen Lex und ich auf Richtung Oceanside. Erst am Nachmittag fahre ich die RAAM-Strecke vom Start zur Timestation 1 (Lake Henshaw) im Renntempo, versuche nochmal die Ernährung, die spezielle Wüsten-Bekleidung, die Ausrüstung bis ins letzte Detail zu testen und kann nur feststellen, dass alles perfekt passt. Ich bin bereit für den großen Tag und werde jetzt noch zwei Tage Ruhe einlegen, mich auf die kommende Herausforderung mental einstellen. Heute Abend kommt das restliche Team aus Österreich nach und wir beziehen unsere Unterkunft, besprechen was noch zu erledigen ist und gönnen uns danach ein Bier. Es ist nur ein kleines Bier, außerdem sind diese in Amerika besonder schwach dosiert :-) Wir alle sind schon in Rennstimmung und freuen uns sehr auf den Start!

Samstag, 8.6.
Am letzten Trainingstag in Borrego Springs war es soweit: Das Thermometer hat die 50°C Marke doch noch geknackt, und ich hab das Spektakel im Anstieg bei null Gegenwind erlebt. Das ganze bei einem einstündigen intensiven Bergtraining, aber ich kann jetzt sagen dass ich echt fit bin und mich sehr gut fühle. In den nächsten Tagen steht die Regeneration im Vordergrund.
Bei der Abfahrt habe ich dann Geri Bauer getroffen, der mich dann noch auf ein Getränk auf meine Terrasse begleitete. Gestern war auch Franz Wintersberger hier, somit habe ich schon fast alle Österreicher – sieben Solostarter an der Zahl – getroffen.
Ich freue mich schon so richtig auf das Rennen, vor allem auf die vielen Gästebuch-Einträge. Mein alter Freund Hufi übt sich ja schon fleißig im täglichen Motivations-Eintrag und ich muss sagen, ein bisschen Angst habe ich dabei, dass er mittlerweile mehr Fans hat als ich und die Besucher meiner Homepage wegen seinen originellen Stories vorbeischauen und nicht wirklich wegen dem RAAM :-) 

Freitag, 7.6.
Heute stand die letzte längere Trainingsfahrt am Plan, ich bin soweit an die Hitze gewöhnt dass ich 5 Stunden durchhalten sollte. Und es hat auch ganz passabel geklappt, zwar steigt der Puls noch deutlich gegen Ende hin an, aber es war alles im grünen Bereich. Bei Temperaturen zwischen 43 und 47°C nahmen wir den Weg entlang der RAAM Route nach Brawley zu den Imperial Sand Dunes, wo wir noch für einige Video und Fotoaufnahmen die beeindruckende Wüstenlandschaft nutzten - siehe Galerie. In den 5 Stunden habe ich ganze 12 Trinkflaschen (zu je 0,75l) gebraucht. Die schnellen Kopfrechner unter euch werden da auf exakt 9l Flüssigkeit kommen, und wer wissen möchte wie oft ich dabei pinkeln musste, darf dreimal raten. Die richtige Antwort lautet – wenig überraschend – gar nie. So ist das in der Wüste, man schwitzt nicht, man pinkelt nicht, aber man schüttet Flüssigkeit in sich wie in ein Fass ohne Boden.
Dass da der Inhalt und die Zusammensetzung der Getränke genau passen muss, ist auch klar. Danke an dieser Stelle an GSFood, meinen neuen Sponsor für Sportnahrung! Nun bin ich müde wie schon lange nicht mehr und freue mich auf das (klimatisierte) Bett! 

Donnerstag, 6.6.
Endlich ist nun auch der erste Teil meines Betreuerteams zu mir gestoßen, nämlich die Männer für die schönen Bilder: Lex und Jürgen. Damit ist auch der heutige Ruhetag abwechslungsreich geworden, eine kurze und lockere Ausfahrt haben die beiden auf Video und auf Fotos festgehalten und wie man es von ihnen kennt sind die Ergebnisse echt cool. Am Abend haben wir dann den Griller am Pool genutzt und uns ein ordentliches Steak gegönnt. Bilder gibts schon in der Galerie zu sehen, der erste Videobericht folgt dann in den nächsten Tagen vor dem Start zum Rennen!

Mittwoch, 5.6.
Mit dem Training klappt es immer besser, auch gesellschaftlich ist es sehr angenehm. David Misch und ich teilen für ein paar Tage das Zimmer, und auch Edi Fuchs wohnt im selben Ort. So trifft sich die steirische Trainingsgemeinschaft in Kalifornien wieder – die Welt ist ja angeblich ein Dorf :-)Heute bin ich erstmals meinen Lieblingsanstieg rauf, den Hügel hinter Borrego Springs. 1000 Höhenmeter in der prallen Sonne. Sobald das klappt, ist die Akklimatisation schon gut vorangeschritten, ein gutes Zeichen.
Eine gute Tat habe ich heute auch schon vollbracht. Die nette Motel-Managerin war so inspiriert, als ich ihr vom RAAM erzählt habe, dass sie ihr altes Mountainbike mitgebracht und mich gebeten hat, es doch auf Vordermann zu bringen. Kettenschmiere, Luft aufpumpen und fertig ist ihr Fitnessgerät. Sie ist typisch amerikanisch etwas beleibter („etwas“ mit Augenzwinker) und laut ihrer Aussage nicht ganz so fit wie wir. Aber sie wird jetzt jeden Tag eine Runde am Motel-Parkplatz drehen, und in einigen Wochen will sie dann zum Supermarkt radeln und den ganzen Kilometer bis dorthin schaffen. Das soll jetzt nicht lächerlich klingen, sondern sie ist aus tiefstem Herzen froh dass ich ihr helfen konnte und fängt mit kleinen Schritten an wieder in Form zu kommen. Freut mich, dass die Dame ab jetzt an sich arbeitet!
Und der Höhepunkt war ein Stromausfall am Abend, warum es auch keinen Tagebuch-Eintrag gab. Ganz Borrego Springs war ohne Strom, und somit war die Sicht auf den Sternenhimmel frei. Und dieser Sternenhimmel wird in vielen Büchern (zB Paulo Coelho) als einer der schönsten weltweit beschrieben. Es war ein Traum!

Montag, 3.6.2013
Am zweiten Tag ging das Hitzetraining schon deutlich besser, immerhin zwei Mal zwei Stunden habe ich durchgehalten. Die Temperatur war heute um eine Spur angenehmer, es hatte „nur“ knapp über 40 Grad. Das was ich heute fabriziert habe kann man schon eher als Radfahren bezeichnen, gestern war es ja ein dahinvegetieren. Ich glaube an meine gewohnten Trainingsleistungen werde ich bei diesem Wetter nie hinkommen, aber wenn ich zumindest 85% meiner Leistung auch in der Wüste abrufen kann bin ich schon glücklich. Zum Vergleich: Gestern waren es bei 170 Watt Durchschnitt genauso viele Herzschläge pro Minute! Heute Puls um 20 niedriger, Watt um 30 höher. So kanns weitergehen!

Sonntag, 2.6.2013
Die Anreise nach Kalifornien war diesmal ganz gut, ich habe meine Strategie bis um 3 Uhr früh die Koffer zu packen perfektioniert. Danach folgt ein Powernap und um 4 Uhr brechen wir Richtung Flughafen auf – damit kann ich im Flieger herrlich die Augen zudrücken und verschlafe fast den ganzen Flug. Ausnahme: die Essenspausen :-)
Doch nun zum ersten Trainingstag: Jetzt weiß ich wieder, wie sich Hitze anfühlt. Nicht dass ich vergessen habe, wie schlimm es mir 2012 in den ersten beiden Tagen ging, aber man merkt sich rückblickend doch großteils nur die positiven Seiten - und das waren beim RAAM 2012 die Überwindung der Krise, die Aufholjagd und die schnelle Finish-Zeit. Hier in Borrego Springs hat es aktuell 43°C, Tendenz laut Prognose steigend, die letzte Wolke am Himmel gab es vermutlich im vorigen Erdzeitalter. Das ist gerade für einen Österreicher, der direkt aus dem fast winterlichen Klima direkt anreist, eine ordentliche „Watschn“.
Und so war auch die erste Ausfahrt wieder ein wahrer Kampf mit der Temperatur. Ich habe das Gefühl gar nicht genug trinken zu können, der  Schluck aus der Trinkflasche verdunstet irgendwo zwischen Mund und Magen. Dazu kam ganz starker Wind, du fühlst dich wie in einem Backrohr mit Heißluft-Gebläse, die Zunge fühlt sich an wie eine Dörrpflaume. Der Puls steigt in Bereiche die ich bei höchst-intensiven Intervallen nur selten erreiche, die Leistung geht gegen null, der Magen krampft, der Kopf brummt, die Gedanken werden wirr.
Es ist schon irre, wie sehr das Klima die Leistungsfähigkeit beeinflusst. Aber ich habe noch eine Woche Zeit, und bin sicher dass es von Tag zu Tag besser wird. Jedenfalls weiß ich wieder wie hart es 2012 war, und werde sehr behutsam an die Sache herangehen. Das Motto für die Wüste lautet nicht Tempo zu machen, sondern gesund durchzukommen. PS: Fotos folgen in den nächsten Tagen! 

Beitrag vom 03.Juni 2013