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Es lief besser als erträumt – mein persönlicher Rücklick auf das Jahr 2013

Wenn ich an die Erfolge in dieser Saison zurückdenke, kann ich es selbst kaum glauben. Es lief einfach perfekt! Natürlich gehört immer etwas Glück dazu, ich blieb im Training und in den Wettkämpfen von Krankheiten und Stürzen verschont. Schlussendlich ist das aber ein Ergebnis meiner konsequenten Trainings- und Ernährungsphilosophie, die ich im Laufe der Jahre immer weiter verbessert habe.

Die Ausgangslage für das Jahr 2013 war gleichermaßen klar wie herausfordernd: Ich wollte meinen Titel beim RAAM zurückholen und wusste wie schwierig das werden würde. Titelverteidiger Reto Schoch wollte den Rekord brechen und als erster Mensch das Ziel unter acht Tagen erreichen. Ich traute ihm das zu 100% zu, denn er zeigte 2012 als unerfahrener Rookie eine großartige Leistung und hatte noch genügend Potential für Verbesserung. 

Das bedeutete, dass ich mich so gut wie noch nie auf das RAAM vorbereiten musste, um eine Chance gegen ihn zu haben. Obwohl mit Dani Wyss und Gerhard Gulewicz weitere routinierte potentielle Siegfahrer am Start standen, war mir klar, dass Reto Schoch der Mann war, den es zu schlagen galt. Die acht-Tage-Grenze war mir komplett egal, mein einziges Ziel war es als Sieger in Annapolis anzukommen. Wie viele Tage ich dafür brauchen würde spielte keine Rolle, immerhin kann das unberechenbare Wetter einen Rekord schnell unmöglich machen. 

Für mein großes Ziel stellte ich vieles um, ließ das Race Around Slovenia, mein Lieblingsrennen, aus und trainierte dafür umso härter. Ein Trainingslager in den USA, ein kleineres Vorbereitungsrennen in Italien, die Umstellung auf ein Zeitfahrrad sowie neue Sportnahrung waren die wichtigsten Punkte. Meine Motivation war enorm, nach dem für mich enttäuschenden zweiten Platz beim RAAM 2012 war ich fest entschlossen, das Rennen meines Lebens zu fahren.

Die wichtigsten Szenen 2013 im Zeitraffer:


Race Across Italy: Ich war völlig überrascht, welche Zeit ich in Italien erreichte. Ja, die Strecke war für mich maßgeschneidert, eher flache Anstiege, einfache Abfahrten ohne Serpentinen, keine übermäßige Hitze – mit einem Wort das ideale Terrain für den ersten Renneinsatz am Zeitfahrer. Ergebnis: keine Rückenprobleme, mehr als 35km/h und etwa 270 Watt Durchschnittsleistung über knapp 18 Stunden. Ich war in der bis dahin besten Form meines Lebens, ich war bereit für das RAAM.

RAAM, kurz nach dem Start: Reto schoss mit mörderischem Speed gleich nach dem Start an mir vorbei, ich war demoralisiert, bekam mentale Einbrüche, litt unter Müdigkeit und der Hitze. Trotzdem hielt ich an der Marschroute fest: maximal 330 Watt am Berg und 250 Watt in der Ebene. Das war ja nicht langsam, aber Reto nahm mir trotzdem auf TS1 gleich 15 Minuten ab. Aber nach 200km musste er kurz vom Rad, sein Anfangstempo verursachte Krämpfe, er hatte sich übernommen. Ich zog vorbei und war euphorisch: meine Krise war vorbei, ich spürte das wird mein Rennen. Ich gab alles was ich konnte um in der Ebene nachts einen Vorsprung auf ihn zu erarbeiten.


RAAM, Ende Tag zwei: Sekundenschlaf plagte mich bei TS9, Flagstaff. Ich konnte kaum die Augen offenhalten, war brutal müde und kraftlos. Mein Team war nicht bei mir (Leapfrog-Support) und ich spürte Reto im Anstieg immer näher kommen. Ich bettelte nach einer Pause, hatte mich schon abgefunden dass Reto mich überholen würde und konnte mental nichts mehr entgegensetzen. Aber ich durfte nicht, meine Betreuer pushten mich vom Strassenrad, wollten mit aller Kraft die Führung behaupten und motivierten mich. Irgendwann schrie ich einfach die Müdigkeit aus mir raus, redete laut mit mir selbst und kam aus dem Tief. In der folgenden Nacht legte ich wieder nur einen Powernap ein und der Vorsprung wurde dadurch von nur 13 Minuten in Flagstaff auf über 2h ausgebaut.

RAAM, Rocky Mountains: Ich rechnete immer damit, dass ich in den Bergen von Dani Wyss und Reto, den besten Kletterern im Feld, dort eingeholt werden würde. Es war eine realistische Einschätzung und meine einzige Chance mich dagegen zu wehren waren minimale Pausen. Ohne Schlafpause schaffte ich es, die Rockies zu überqueren, und konnte dadurch den Vorsprung nicht nur halten, sondern sogar ausbauen. Am letzten Pass waren es schon 5h, Reto legte bis dahin zwei Schlafpausen ein, ich nur kurze Powernaps. Sogar die geplante Schlafpause in Trinidad klappte nicht, weil meine Lunge zwischendurch von Bronchitis-Ansätzen geplagt wurde, ich mir Sorgen machte und schlecht atmen konnte (Temperatur- und Höhenunterschied, Rauch von Waldbränden in Colorado). Doch Teamarzt Rainer Hochgatterer bekam das Problem in den Griff. Schlussendlich fuhr ich bis knapp an den Halfwaypoint in Kansas, wo ich mich dann erstmals für eine Stunde schlafen legte. 

RAAM, Kansas: Mein Lieblingsbundesstaat brachte wohl die Vorentscheidung, ich war mit dem Shiv sehr schnell unterwegs, hielt den Rhythmus und das Tempo hoch. Auch ein Unwetter konnte mich nicht aufhalten, Windböen, Starkregen, Blitz und Donner fegten mich fast von der Straße, aber ich konnte weiterfahren und sogar alle Abschnitte mit über 30km/h Schnitt absolvieren. Meine Motivation war extrem hoch und die Führung beflügelte mich zusätzlich. Das Wissen, dass die meisten Konkurrenten durch die ewigen Geraden und das Wetter in Kansas oft mental Probleme bekommen, trieb mich an. Wer mit diesen Gegebenheiten am besten umgehen kann, hat einen Vorteil – und ich war fest entschlossen das gut zu überstehen.

RAAM, Tag sechs: Wir verfolgten über Internet alle Medienberichte (auch aus der Schweiz) und Zwischenstände immer ganz genau, und bekamen daher auch mit, dass Reto eine große Krise hatte. Er wollte aufgeben weil sein Ziel unrealistisch wurde, legte eine 12-stündige Pause ein und fuhr nur darum weiter, weil sein Team und Race-Officials auf ihn einredeten. Das Rennen war somit so gut wie entschieden, ich brauchte ein neues Ziel: Und das lautete den Rekord anzugreifen. Laut Hochrechnungen war ein Finish unter 8 Tagen mehr als realistisch, ich wusste um die historische Chance und gab nochmals alles was ich noch in mir hatte.

RAAM, Tag sieben: Körperlich ging es mir den Umständen entsprechend noch immer gut, mental meistens auch. Doch psychische Aussetzer kamen nun immer öfter, der Schlafentzug ließ mich keine klaren Gedanken mehr fassen, ich vergaß immer öfter auf das neue Ziel, den Rekord. Ich konnte auch nicht mehr verstehen, warum ich mich so quälen sollte, weil das Rennen ja fast gewonnen war, es würde reichen, wenn ich in gemütlichem Tempo irgendwie ins Ziel rollte. Meine Betreuer waren dann wieder die wichtigste Stütze für mich: Ich musste stehen bleiben und dann waren alle da, sie erklärten mir dass wir alle gemeinsam den Rekord schaffen wollten. Ich sollte den Rekord also für mein Team holen, nicht für mich. Plötzlich war wieder ein tieferer Sinn da, ich wollte meine Jungs, die mich seit Jahren unterstützen und mit mir durch dick und dünn gingen, nicht enttäuschen. Ich mache immer alles was sie mir sagen, vertraue jedem Einzelnen blind. Wir umarmten uns, ich wusste wieder warum ich so an meine Grenzen gehen musste und war wieder in der Spur. 

RAAM, die letzte Nacht: Es war eine Katastrophe, meine übermüdete Psyche war in der Nacht nicht mehr fähig, die äußeren Reize richtig zu verarbeiten. Es begann mit einem leichten Sturz, weil ich ein Kommando zum rechts abbiegen an der nächsten Kreuzung falsch verstand, und in den Randstein von einer Parkplatzeinfahrt krachte. Zum Glück passierte nichts Gröberes! Wenig später litt ich dann unter Halluzinationen, konnte Anstiege und Abfahrten nicht mehr voneinander unterscheiden, fürchtete mich vor meinen Betreuern. Ein Powernap half mir aus der Krise und ich wollte nach den letzten Anstiegen der Appalachen wieder das Rad wechseln. Dabei kegelte ich mir bei einer hektischen Bewegung die rechte Schulter aus (ich habe seit einem Unfall eine instabile Schulter, das passiert mir öfter und kann schnell wieder eingerichtet werden), was zum Glück auch keine gröberen Probleme sondern nur Schmerzen hinterließ. Eine letzte Schrecksekunde musste mein Pace-Car-Team noch überstehen, als ich nach einer Kurve falsch steuerte und von der Straße abkam. Auch hier passierte nichts, ich konnte das Manöver in der Wiese aussteuern und war wieder hellwach.
Durch motivierende Worte von Rainer, Johnny und Mike fand ich dann nochmals richtig in einen Flow, ein sogenanntes „runner’s high“, und konnte wieder alles geben. Ich fuhr völlig am Anschlag, hohes Tempo, Wiegetritt bergauf, Aeroposition bergab. In dem Moment fühlte ich keine Strapazen mehr, alles lief wie geschmiert und ich flog die letzten 150km dem Ziel entgegen. Diese Momente werde ich nie vergessen, es ist einfach unglaublich was ein müder Körper noch leisten kann, wenn Motivation und Emotionen da sind. Mit diesem Kraftakt war es dann auch geschafft und nach 7d:22h:52min waren wir im Ziel. Eine nachträgliche Zeitgutschrift für eine Umleitung am überfluteten Mississippi River von 41 Minuten (alle Fahrer bekamen die gleiche Bonifikation) korrigierte die Zeit dann offiziell auf 7d:22h:11min. Ich hatte als erster Mensch das RAAM unter 8 Tagen geschafft, ich konnte es gar nicht fassen.

Fazit: Dass dies schlussendlich gelang, war eine fast unglaubliche Geschichte. Im Vorfeld habe ich nie von diesem Rekord gesprochen, weil ich mir keinen Druck auferlegen wollte. Ich habe aber gewusst, dass es bei guten Bedingungen zu schaffen ist und habe mit meinem Trainer Rainer Hochgatterer eine Marschtabelle erstellt. Reto Schoch wollte diese Marke unbedingt knacken und mir war bewusst, dass ich um zu gewinnen auch eine Zeit von acht Tagen erreichen musste. Ich bin mir aber sicher, dass man solche Rekorde nicht planen kann, wie Reto es tat. Die einzige Chance ist, im Training wie auch im Rennen sein Allerbestes zu geben. Wenn es die Bedingungen dann zulassen kann ein Rekord passieren, aber sich darauf zu versteifen ist sehr riskant. Übertriebenes Selbstvertrauen kann sich rächen, wie er beim RAAM erfahren musste. 

Möglich war dieser Erfolg nur durch mein Team, durch perfekt eingespielte Abläufe und Zeitersparnis in den Pausen. Mein Team steht seit Jahren hinter mir und jeder  Betreuer hat schon viel Erfahrung. Das sehe ich als meinen größten Vorteil und ich bemühe mich sehr, mein Team zusammenzuhalten und vertraue jedem Einzelnen blind. 

Ich möchte mich bei meinem Team aber auch für den nötigen Tritt in den Hintern vor dem Race Around Ireland bedanken, ich wollte 14 Tage vor dem Start eigentlich schon absagen. Der innere Schweinehund nagte an mir und ich war mental nach dem RAAM und dem RAA im Viererteam – was auch eine geniele Erfahrung war – nicht mehr frisch. Dass dann trotz widriger Verhältnisse auch dort ein Streckenrekord gelang, freut mich extrem.

Ich hoffe, dass ich alle Leser mit meiner Geschichte motivieren kann auch an sich selbst und an den eigenen Zielen zu arbeiten. Denn eines ist klar: Harte Arbeit lohnt sich immer, manchmal dauert es etwas länger bis man das Ziel erreicht, aber wer nicht aufgibt wird irgendwann erfolgreich sein. 

Ich möchte mich hiermit bei meinen Sponsoren, meinem Team, meiner Freundin Sabine, meiner Familie und meinen Fans für die Unterstützung bedanken. Wenn nur einer dieser Faktoren nicht gepasst hätte, wäre mein Erfolg nicht möglich gewesen.
Danke!
Christoph

Die ganze Geschichte werde ich auf meinen Vorträgen erzählen, ich würde mich freuen euch dort begrüßen zu dürfen. Die bisher fixierten Termine siehe im Link unten!

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Beitrag vom 15.Oktober 2013