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Warum das RAAM 2014 so besonders gut lief

Ich bin immer noch ganz hin und weg und finde es schwierig zu verstehen was beim RAAM 2014 passiert ist. Es war wie ein wahrgewordener Traum, wie etwas worauf man jahrelang hinarbeitet, und das dann doch so plötzlich und unerwartet kommt. Hier ist ein Versuch, das RAAM aus meiner persönlichen Sicht etwas nüchterner zu betrachten und zu analysieren, das Ganze während des Heimflugs von Washington nach Wien:

Meine Zielformulierung: Ich wollte nie einen neuen Rekord aufstellen, ich hatte keine Platzierung oder keine genaue Zeit als Ziel. Ich wollte einfach nur ALLES geben was in mir steckt, ich wollte ins Ziel kriechen und zu mir sagen: Das war ALLES was ich geben konnte, mehr hätte ich nicht mehr bringen können.
Und genau so habe ich das Rennen auch bestritten. Ich hätte mit 10 Stunden Vorsprung nach 2 Tagen taktieren und mehr schlafen können und vermutlich trotzdem gewonnen, doch damit wäre ich nicht glücklich geworden. Ich habe nie auf die Konkurrenz geachtet oder mich durch den Vorsprung zufrieden gegeben. Ich habe bis zum Ende so hart gerackert wie es möglich war. Und darauf bin ich sehr stolz. Nicht auf den Sieg oder den Vorsprung, sondern einzig und allein darauf, dass ich nicht um 1% an Kampfgeist nachgelassen habe.
Ich denke das ist meine Verantwortung gegenüber meinem Team, meinen Fans und meinen Sponsoren. Zumindest ist das meine Art und Weise danke zu sagen. Es ist zwar nicht viel, aber es ist alles was ich geben kann: Nämlich vollen Einsatz bis zur Ziellinie!

Konkurrenz: Die Mitstreiter waren diesmal ganz realistisch eingeschätzt nicht so stark wie in den Jahren zuvor, und ich wusste von Beginn an, dass ich mein Tempo fahren kann. Nicht dass ich langsam starten wollte, aber ich musste nicht davor Angst haben, dass mich Reto Schoch oder Dani Wyss schon auf der ersten Timestation in den Anstiegen abhängen. Wenn man dann Mal in Führung ist, fährt es sich einfach leichter, man ist ruhiger und hat immer die Situation im Griff. Ich möchte meine Leistung auch nicht über die Platzierung oder den Abstand zur Konkurrenz definieren, sondern nur über meine Zeit, bzw. meiner Zielzeit von 2013. So nebenbei möchte ich anmerken, dass ich mir die stärksten Konkurrenten am Start wünsche, das würde das Rennen beleben. Hoffentlich stimmen die Gerüchte und Reto Schoch ist 2015 wieder dabei.

Das Wissen um die 8-Tage-Marke: Hat man diese Marke einmal unterboten, gibt es keinen Grund warum das nicht nochmals klappen sollte. Früher hatte ich immer Zweifel ob das überhaupt jemals zu schaffen war, heuer musste ich mich nur auf die Zwischenzeiten von 2013 konzentrieren und konnte immer ein paar Minuten pro Abschnitt herausholen. Dieser kleine Vorsprung gab mir enorm viel Sicherheit und ich wusste dass ich die Chance habe Geschichte zu schreiben. Ich habe sehr hart trainiert, im Hinterkopf immer das Wissen dass es noch schneller möglich ist. Ich wusste dass das Wetter mitspielen muss, und dass ich dann bereit sein muss. 

Wetter: Die Bedingungen waren vor allem zu Beginn günstig, die ersten beiden Tage herrschte Rückenwind.  Die große Hitze blieb auch aus, erst ab dem Halfwaypoint wurde es schwieriger, da herrschte durch ganz Kansas starker Seitenwind und in Ohio erwischte uns auch ein grobes Unwetter. Die letzten beiden Tage waren dann sehr schwül und heiß, aber unterm Strich waren die Verhältnisse sehr gut, wir sind erstmals ohne Tornado durch Kansas gekommen. Für mich war immer klar, wenn es etwas kühler ist, wird es viel einfacher schnell zu sein. Die Hitze ist für mich der größte limitierende Faktor (siehe Tagebuch Vorbereitung). Allerdings muss man auch sagen, dass das Wetter auch für alle anderen günstig war, und man sieht dass wir das am besten ausgenutzt haben. Ich versuche immer, bei Rückenwind gleich hart aufs Pedal zu drücken als bei Gegenwind und nicht mich schieben zu lassen. Die Anstrengung ist die selbe, nur steht dann eine andere Zahl am Tacho!

Aerodynamik: Gerade in den beiden ersten schnellen Tagen, hat die Aerodynamik sicher mehr ausgemacht, als im Windtunnel (für avg 27km/h) berechnet, weil hier immer wieder lange Abschnitte mit einem Schnitt von 40km/h oder mehr dabei waren. Ab der Hälfte haben wir gewisse Modifikationen wieder rückgebaut, da es von der Koordination her nicht mehr so einfach war, die Flasche hinter dem Sattel in die Halterung zu stecken oder aus dem Shiv-Trinkbeutel zu trinken. Da ging uns die Sicherheit vor. Wer es nicht glauben kann: Ja, ab 5 Tagen werden Dinge wie freihändig fahren, eine Windjacke zu schließen fast unmöglich, der Gleichgewichtssinn lässt deutlich nach.

Meine Psyche: Ich kann es schwer begründen, aber ich war heuer so fokussiert und motiviert wie noch nie, hatte im ganzen Rennen so gut wie keine mentalen Aussetzer, fragte nie nach dem Warum, wusste immer wieso ich mich bis zum Schluss quälen wollte, obwohl Sieg und neuer Rekord schon lange fixiert waren. Ich blieb immer am Drücker, suchte keine Ausreden, keine Gründe zum Stehenbleiben oder Pausieren, rastete mich nie auf meinem Vorsprung aus, war bereit mich bis aufs Letzte zu verausgaben. Wenn selten aber doch Kleinigkeiten nicht optimal waren, war ich nie eingeschnappt oder nachtragend, sondern hakte alles sofort ab und schaute nach vorne. Phasen des langsamen Dahinrollens gab es so gut wie nie, das was ich machte sah fast 5000km durchgehend aus wie Radfahren, und nicht wie am Rad dahinkriechen. Mein Team und ich gaben uns einfach bis zum Ziel nicht mit langsamem Fahren zufrieden, sondern ich hatte immer meine Leistungsanzeige der power2max-Kurbel im Auge und hielt die Watt hoch. Eine genaue Watt-Analyse über das RAAM folgt in den nächsten Wochen!

(keine) Vorbereitungsrennen: Erst war ich unsicher, ob mir da eine wichtige Vorbelastung und eine mentale Härteprobe fehlte, aber es hat sich herausgestellt, dass es so perfekt war. Erfahrung habe ich ja schon genug, und das Training lässt sich ohne Extrembelastung im Vorfeld besser auf den Tag X hin steuern. Meine längste Trainingseinheit war 7:30 Stunden, ich trainierte aber immer sehr schnell und intensiv. Im Rennen merkte ich vor allem ab dem dritten Tag, dass weniger Energie verloren ging, dass ich auch in der zweiten Hälfte noch mehr Power hatte.

Navigation/Technik/Wetterprognose: Erstmals hatten wir auch in den Autos Garmin Geräte mit eingespeicherter Route und wir haben uns auch nur einmal verfahren. Das war an einer Stelle, wo die Strecke kurzfristig geändert wurde, und wir von der bekannten RAAM Route abweichen mussten – also ein Fehler aufgrund von „Strecken-Routine“. Endlich gelang es auch das komplette Rennen aufzuzeichnen, weil die Edge 510/810 Radcomputer durchhielten. Weiters half uns eine speziell auf unsere Route zugeschnittene Plattform von „Ubimet.com“ das vorherrschende Wetter besser einzuschätzen. Wir konnten vor jeder Timestation Wind- und Wetterverhältnisse genau prüfen.

Ernährung: Zum zweiten Mal nach 2013 gelang es mir mich zu 100% nur flüssig zu ernähren. Ich nahm keinen einzigen Bissen festes Essen zu mir, sogar die 5 Brezeln von 2013 waren nicht mehr dabei. Und diesmal war es viel einfacher, auch weil ich vom Vorjahr wusste, dass es möglich ist und es mir gut tut. Ensure und GSFood Hi-End-Energizer waren die Basis, und die ist wohl ziemlich perfekt. Dazu kamen noch Nahrungsergänzungen von Bonusan und Panaceo. 184 Stunden ohne Magen- oder Verdauungsprobleme sprechen Bände!

Motivation von außen: Ich kann ich nicht erinnern, dass es ein RAAM gab, wo so viele Leute mitfieberten, die Daumen drückten und mir über Gästebuch und Facebook soviel Motivation schickten. Ich bekomme jetzt noch immer Gänsehaut und feuchte Augen, wenn ich nachlese. Es ist unbeschreiblich schön, all diese Botschaften zu erhalten, ich möchte mich an dieser Stelle nochmals dafür bedanken. Es ist einfach was anderes, wenn ich weiß dass da Tausende Menschen hinter mir stehen, dass ich als Botschafter der Lyoness Child and Family Foundation Verantwortung habe, als wenn ich etwas nur für mich alleine mache. In Zukunft werden wir versuchen, die Rennen noch transparenter zu machen und vor allem im Bereich Webcam/Livestream noch Verbesserungen zu schaffen! Für den ersten Versuch hat das aber ganz gut geklappt denke ich.

Mein Team: Ich glaube viele haben noch immer nicht verstanden, wie wichtig das Team beim RAAM ist. Heuer waren wir wieder eine unheimlich feine Truppe, Schmäh, Professionalität und Effizienz waren kaum noch zu verbessern. Wenn man die einzelnen RAAM-Teilnahmen jedes Betreuers zusammenrechnet, kommt man auf folgende imponierende Statistik: 42x RAAM (dabei sind auch andere Fahrer betreut worden, wie z.B. Wolfgang Fasching von Rainer)
im Detail: Rainer 7x, Johny 2x, Kougi 3x, Chri 3x, Scheb 4x, Bernhard 3x, Vogs 5x, Harry 4x, Lex 5x, Jürgen 5x, Flo 1x;
Besonders möchte ich hervorheben, wie mein Team mit Pannen an den Autos umgegangen ist: insgesamt 5 kaputte Reifen an den Autos und ein total desolates Wohnmobil von einem renommierten aber unheimlich schlechten Vermieter warfen uns nicht aus der Bahn. Ein paar Werkstätten wurden angefahren, trotzdem blieb die Teamdynamik erhalten und wir lösten alle Probleme sehr schnell. Wer uns in den Webisodes genau beobachtet, sieht wie schnell bei uns Pausen abgewickelt werden. Radtausch, Umziehen, Trinken,… dauern selten länger als eine Minute. Das summiert sich bis ins Ziel auf die eine oder andere gesparte Stunde im Vergleich zu weniger gut organisierten Mitstreitern.

Beitrag vom 23.June 2014