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Buch "Der Weg ist weiter als das Ziel"
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Saison 2018  originale Trikotserie
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Aktuelle News

2014 RAAM - Tagebuch zur Vorbereitung in USA

Steaks für die Crew, Flüssignahrung für mich!

Tag 14 – das letzte Abendmahl
Dieses besagte Abendmahl sah für mich leider etwas anders aus als für meine Betreuer. Während es nach gegrillten Ripperln, Maiskolben, Kartoffeln mit Knoblauchsauce, Salaten, Zucchini und sogar Kuchen duftete, zwängte ich mir 12 Ensure hinunter – über den Tag verteilt natürlich. Das ist einer der härtesten Momente in der RAAM-Vorbereitung, und das meine ich ernst. Die Stimmung ist super, wir sind mit allen Vorbereitungen fertig, haben unsere (wieder mal nur toternsten und total seriösen) >>Teamfotos geschossen und das wirklich langweilige Fahrermeeting hinter uns gebracht.
Am Abend genießen wir nochmals die Ruhe mit dem lauten Rauschen der Wellen im Hintergrund und stimmen uns auf das Rennen ein. Meine letzte Radrunde, die 14 Kilometer lang war und über 30 Minuten dauerte, war mehr oder weniger nur Bewegungstherapie, da ist es mit dem Stadtrad die Grazer Sporgasse hinauf viel härter. Aber so solls sein, ich habe jetzt alle Reserven aufgeladen und fühle mich mehr als bereit.
Morgen früh verlassen wir unser Strandhäuschen und warten dann auf den Start. Es wird um 12 Uhr gestartet, wann ich genau dran bin weiß ich jetzt noch gar nicht genau. Vermutlich kurz nach 13 Uhr (also 22 Uhr in Ö), da ich als Titelverteidiger als letzter ins Rennen gehe.
Ich habe jetzt ein knappes Jahr für dieses große Ziel trainiert und gelebt, habe mich so vorbereitet als wäre es meine letzte Chance noch einmal etwas großes zu erreichen. Ich habe ein großartiges, eingespieltes Team hinter mir und weiß wie hart es werden wird. Es wird brutale Phasen, aber auch Höhenflüge geben, ich werde zwischendurch mental zu einem verletzlichen Kleinkind und einem verwirrten Opa werden, dazwischen werde ich Spaß haben, lachen aber auch leiden. Rainer Hochgatterer sagt immer, dass im RAAM die Probleme und Freuden eines ganzen Jahres in komprimierter Form stattfinden. Ich bin bereit für diese epische Reise!
Bitte haltet mir die Daumen, und schreibt mir mal in mein Gästebuch. Wir werden dafür auch ein T-Shirt verlosen und euch auch Live-Bilder via Webcam liefern, mein Medienteam wird mit Live-Ticker, Bildern und Videos das RAAM so lebendig und authentisch wie möglich greifbar machen. Wir hoffen die Technik lässt uns nicht im Stich.

Ein tolles Interview gibt es hier: sport.orf.at sowie einen neuen Clip auf Youtube!

Somit klappe ich meinen Laptop zu und sage fast schon traditionell: „Los geht’s, gemma a Runde Radlfoan!“
Euer Christoph

Startnummer aufkleben - es wird ernst!

Tag 13 - Die Ruhe vor dem Sturm
Heute hatte ich mehr oder weniger Stubenarrest und sollte den ganzen Tag in der Horizontalen verbringen, während mein Team wirklich alles rund um das Rennen erledigte. Beim Einbau der kompletten Technik in die Autos haben wir auch eine Webcam installiert, die Live-Bilder für alle Interessierten liefern wird. Wenn ich doch einmal schauen wollte, ob ich beim Aufbau der Autos helfen kann oder mich mit „guten Ideen“ wichtig machen wollte, wurde ich liebevoll aber ziemlich deutlich abgewürgt.
So schauen unsere Dialoge aus:
Ich: „Hey Mike, weißt eh wegen dem Lautsprecher-Kabel, das könnten wir doch so…“
Mike: „Jaja, wir machen das schon, entspann dich und leg dich nieder. Wir haben alles im Griff.“
Ich: „Ich wollte ja eh nur kurz…“
Mike: „Sorry, ich hab dich net verstanden. Wolltest du wissen wo dein Bett ist? Oben im ersten Stock, also ciao bis später!“
Und so verlief der ganze Tag gleich: Ich lag im Bett, Beine hoch, trinken, WC, Bett, trinken, WC, Bett, trinken, lesen, schlafen, Musik hören, trinken, WC usw…
Am Nachmittag dürft ihr drei Mal raten was zwischen Schlafen und Beine hochlagern passiert ist? Falsch. Es war eine Massage! Chri hat sich meinen Rücken und meine Beine vorgenommen, geknetet und gelockert.

Besonders schön war es ausführlich mit meiner geliebten Sabi zu skypen, das hat uns beiden nochmals sehr gut getan. Es ist so unbeschreiblich wichtig, den Rückhalt von zuhause zu spüren, die emotionale Verbindung aufrecht zu erhalten! Ein paar Worte können so viel Kraft spenden. Sabi, ich liebe dich, und ich werde bald wieder bei dir sein!

Meine Videocrew - Jürgen und Florian - (www.groox.com) war heute schon sehr fleißig und hat die erste Webisode auf youtube hochgeladen, die es ab jetzt - so es technisch möglich ist - jeden Tag geben wird.
Hier der Link auf >> youtube

Der "Hi End Energizer" von GSFood

Tag 12 – Wir sind komplett
Auf den Tag habe ich mich schon lange gefreut, wir sind nun komplett und haben uns eingerichtet. Das Training ist mit der heutigen lockeren Fahrt von Borrego Springs herüber nach Oceanside abgeschlossen, es folgt ein kompletter Ruhetag und eine sehr lockere Ausfahrt am Montag.
Ich bin kein großer Freund vom Tapering – von der totalen Reduzierung des Trainings vor dem Start, das macht mir meinen Rhythmus kaputt, da verliere ich eher das gute Feeling am Rad. Nachdem es ja kein Sprintrennen ist, sondern doch eine etwas längere Ausfahrt, ist es wichtiger im Rhythmus zu bleiben, unterwegs müssen Nahrungszufuhr und Energieverbrauch im Gleichgewicht sein, ich brauche keine prall gefüllten Speicher.
Während der 4h am Rad habe ich mir eine kleine Ansprache für den Abend überlegt, so nach dem Motto: Wie motiviere ich mein Team damit sie mich dann motivieren? Ich denke es hat geklappt, wir haben große Ziele und werden die nächsten 2 Tage intensiv mit den technischen Vorbereitungen verbringen. Mein Job ist es mich ruhig zu verhalten, niemandem auf die Nerven zu gehen, im Bett zu bleiben, die Füße hochzulagern und viel zu trinken. Das feste Essen wird ab Morgen eingestellt, dann wechsle ich auf Ensure und GSFood Energizer, sowie meine Nahrungsergänzungen. Das Rennen beginnt also eigentlich schon vor dem Rennen…
An dieser Stelle ein großes Danke an GSFood für die Unterstützung, für die Weiterentwicklung des „Hi End Energizers“, der vor allem in der Hitze sehr gut verträglich ist und mir ein Gefühl verleiht, dass ich mehr als topfit bin. Noch dazu bin ich nach meinem RAAM Rekord von 2013 sogar am Etikett zu sehen – das ist mir eine große Ehre.
Den Energizer gibt es nun auch in Österreich zu bestellen – mehr dazu in meinem Onlineshop.

Heute bin ich wieder das erste Stück gemeinsam mti Adam gefahren.

Tag 11 – Business as usual
Der heutige Tag war wieder eher ruhig und unspektakulär, ich bin 4 Stunden in der Wüste am Rad gesessen und dabei ging es mir spitze, der Einbruch von gestern war der Intensität am Berg in Kombination mit der Hitze geschuldet. Im Flachen rollt es auch bei über 40°C ganz ordentlich, ich konnte auch schon normales Tempo wie in Österreich fahren – sprich um die 250 Watt. Abends ist Jürgen mit dem Wohnmobil zu uns gestoßen, somit steigt das RAAM Fieber etwas an, unser Team versammelt sich langsam aber sicher. Morgen stoßen dann die weiteren Jungs zu uns und wir werden Borrego Springs verlassen.
Gestern war ein sehr intensiver Tag, ich habe nicht mehr alle Gedanken zusammenfassen können. Was ich gestern vergessen habe: Wenn dich die Foo Fighters fragen: „Is someone getting the best of you?“ möchte ich immer zu mir selbst sagen: „Oh yes, the very best!“ denn in „times like these you learn to live again!“
So lautet auch mein Ziel für das RAAM: Ich möchte in Annapolis mit null Energie im Tank ankommen, möchte dass ich jedes mögliche Watt irgendwo zwischen Kalifornien und Maryland auf die Strasse gepresst habe. Das letzte Körnchen an Kraft sollte gerade noch reichen um meine Crew mit Sekt zu duschen und alle zu umarmen. Wenn mir das gelingt habe ich mein Ziel erreicht, ganz egal was auf der Anzeigetafel steht!
Heute gibt es aber noch ein echtes Highlight, nämlich einen wirklich großartig geschriebenen Artikel in den Stuttgarter Nachrichten - den zu lesen lohnt sich wirklich allemal! >> Link

In der Mittagshitze auf den Glass Elevator

Tag 10 – Zwischen Verrecken und Höhenflug
Der Tag begann vielversprechend, ich hatte ein Rendezvous mit Adam Bickett, einem Teilnehmer des Race Across The West, der aber schon einige Rennen in Amerika gewinnen konnte und mich fragte, ob wir gemeinsam trainieren könnten – er war auch zum Akklimatisieren in Borrego. Am Plan standen zwei Auffahrten auf den Hausberg, den die Amis ehrfürchtig „Glass Elevator“ nennen. Wir fuhren ein mittleres Tempo und plauderten über Ultracycling, das RAAM, unsere Ziele und hatten eine gute Zeit. Bei der zweiten Auffahrt wollte ich mein Tempo fahren und er seines, ich drückte ordentlich auf die Tube und wollte wie gewohnt knapp unter der Schwelle die 1000 Höhenmeter durchdrücken. Doch das war nichts. Am Garmin standen 47°C (direkte Sonneneinstrahlung), es war knapp nach 12 Uhr mittags. Meine Wunschvorstellung, von wegen ich wäre schon gut akklimatisiert, hat sich dann gleich als ebensolche herausgestellt. Die Watt fielen von 350 auf 250, der Puls explodierte auf 170. Im halben Anstieg kroch ich dann nur mehr im Schritttempo dahin und war komplett am Sand. Kopfweh, ein Brennen in der Lunge, zittrige Knie, null Kraft. Adam holte mich wieder ein und ich sagte ihm, dass es mir beschissen geht und ich umdrehen muss. Ich spürte, dass ich mich jetzt in dem Moment grob schädigen würde, wenn ich versuchte weiterzufahren. Also ab ins Motel, literweise GSFood Recovery, Magnesium, Salztabletten, Wasser usw… Ich taumelte wie ein verwirrter 100-jähriger planlos im Zimmer umher und legte mich für ein paar Stunden nieder. Ich konnte nicht klar denken und war von der Hitze komplett gezeichnet.
Es ist ein schmaler Grat zwischen sinnvollem Training in der Hitze und sich „abschießen“, in der Übermotivation habe ich heute zweiteres erreicht. Shit!
Aber der Tag war noch nicht zu Ende, und als ich gegen Abend wieder zu mir kam, schoss es mir spontan ein: Ich muss da nochmals rauf, das war kein befriedigender Trainingstag. Mittlerweile war es kühler, die Sonne stand tief. Kopfhörer rein, Foo Fighters aufdrehen bis das Trommelfell zittert, Endorphine schießen durch den Körper, ich bin komplett im Flow. Die Beine sind wieder gut, ein Zeichen dass ich mich heute null angestrengt habe, dass nur der Kreislauf überfordert war. Es rollt mir bergauf so gut, ich habe Gänsehaut! Ja, ich weiß, im Windtunnel hätten sie mir gesagt, dass Gänsehaut nicht aerodynamisch ist, und beim Radfahrschein in der Volksschule haben wir gelernt, bei Dunkelheit darf man nur mit Licht fahren. Mir ist alles egal, es geht hier um Leidenschaft, um das RAAM! Ich habe die 350W sogar deutlich übertroffen und war in einer Stunde oben, habe dabei den Sonnenuntergang genossen und bin im Stockdunkeln heimgekommen - gut dass ich die Abfahrt schon auswendig kenne. War sicher nicht gescheit, aber absolut geil. Doch hin und wieder muss man solche Dinge tun, nur für sich, um sein inneres Feuer am Brennen zu halten!
Was ich heute wieder erkannt habe: Der limitierende Faktor ist die Temperatur. Ich weiß nicht ob es Menschen gibt die bei 45°C die gleiche Leistung bringen können wie bei 25°C – Akklimatisation hin oder her. Schlussendlich bleibe ich nur ein Mensch, und der Mensch ist nicht für die Wüste gemacht - auch wenn ich nach ein paar Tagen die Hitze besser aushalte. Immun dagegen kann man nie werden!
Link zur Trainingsdatei: http://www.trainingpeaks.com/av/RQSONBWPZJBLCLUPBS2IG6GMQE

neue Fotos in der >> Galerie

Diesen herrlichen Straßenbelag erspare ich mir heute!

Tag 9 – Ruhetag
Das sind ja die wichtigsten Tage wie man weiß, vor allem vor einem großen Rennen. Ich versuche so viel wie möglich zu rasten, Ruhe zu geben, auch tagsüber etwas zu schlafen. Lex ist fleißig am Trainieren, für mich gilt es organisatorisch noch an ein paar Kleinigkeiten zu feilen, sowie an den Rädern letzte Details zu perfektionieren. Hier eine Schraube nachziehen, dort ein neues Lenkerband, Einstellungen am Garmin optimieren, dazwischen gut essen und im Pool ein paar Runden zu drehen. Einzige körperliche Tätigkeit ist Oberkörpergymnastik und leichtes Dehnen. So geht der Tag schnell vorüber und kurz bevor es dunkel wird entfachen wir auch schon das Lagerfeuer mit trockenen Palmblättern und Holzresten vom Gestrüpp hinter dem Haus. Ja, wir könnten auch Anzünder und Kohle kaufen, aber nichts ist entspannender und meditativer als das urige „Feuerl heizen“. Der Tag wird mit einem T-Bone Steak, Süßkartoffeln und Salat beendet. Morgen gibt’s wieder eine schnelle Trainingseinheit! Gute Nacht aus der Mojawe-Wüste…

Bei diesem Hintergrund wird mir irgendwie mulmig...

Tag 8 - lange Ausfahrt zum Salton Sea
Heute stand die längere Einheit am Plan, 4 bis 5 Stunden am Stück. Ich habe mich an die erste Hitzefahrt 2013 erinnert, wo ich für die gleiche Strecke 5 Stunden unterwegs war, und dabei fast verreckt bin. Die Hitze war wie ein Hammer, der mich platt gemacht hat, und trotz einem langen Stopp an der Tankstelle in Salton City bin ich mit Schritttempo bei maximalem Puls gerade noch ins Motel gekommen. Heuer war es aber erstaunlich gut, ich war sehr schnell unterwegs, die Hitze war kein Problem (im Schnitt 41°C) und ich war auch nach weniger als 4 Stunden mit der Ausfahrt fertig. Getrunken habe ich dabei ganze 6 Liter! Mich stimmt das endgültig sehr zuversichtlich, denn ich habe im Frühling beim Training doch ein paar Mal den „Wurm“ drinnen gehabt, und war (unfreiwillig) bei keinem einzigen Rennen im Vorfeld am Start. Somit fehlt mir irgendwie der Anhaltspunkt wie fit ich wirklich bin, im Hinterkopf war lange der Zweifel da, ob mir nicht das Vorbereitungsrennen fehlen würde. Doch nun bin ich mir sicher, dass ich dadurch frischer bin und noch keine Energiereserven verbraucht habe. So gut wie heuer kam ich in der Hitze noch nie zurecht. Die verbesserte Formel von GSFood – meinem Kohlehydrat und Elektrolytgetränk – scheint sich speziell bei hohen Temperaturen auszuwirken, und auch die Spezialstoffe meiner Trikots (danke owayo!) machen sich bemerkbar. Die Hyperkewl-Kühlwesten teste ich auch noch, das alles scheint sich insgesamt wie ein Puzzle zusammenzufügen, das dann als Großes Ganzes hoffentlich wieder eine sehr schnelle RAAM Zeit ergeben wird.
hier der Link zur Trainingseinheit: http://home.trainingpeaks.com/athlete/workout/IZO3IMNSODSCS2RU4O6IFUIXRA

ein absolut sehenswerter Anstieg, wenn auch nicht wirklich steil

Tag 7 – auf meinen Lieblingsberg
Heute war das Wetter mit knapp unter 40°C etwas kühl für die Verhältnisse hier, mehr Sandsturm als Hitze. Beim RAAM wäre das super, da würde die Timestation mit Rückenwind mit minimum 40km/h Schnitt zu fahren sein, aber im Training hätte ich es gerne heißer. Falls es aber so bleibt, wäre es auch toll, heute im Training habe ich leider super Gegenwind.
Kraftausdauertraining war heute am Plan, ich bin zweimal den Hausberg in Borrego Springs raufgefahren, immer knapp unter meiner Schwelle bei 350W. Durch den stürmischen Gegenwind war ich erstmals über eine Stunde für die 17km und 1000 Höhenmeter unterwegs, normal schaffe ich den Hügel in 50-55 Minuten. Dafür war die Abfahrt irre, nach ein paar Pedaltritten steht schon der 90er am Tacho. Und normal kenne ich die schöne und weitläufige Abfahrt schon in- und auswendig, weiß dass man bei guter Linienwahl ohne ein einziges Mal zu bremsen runterfahren kann. Doch heute war es einfach gefährlich, daher etwas ruhiger. Obwohl es nicht so heiß war, sind 1.5 Liter für 1 Stunde Fahrzeit fast zu wenig. Die trockene Luft lässt dich fast verschrumpeln, man muss wie ein Kamel in sich reinschütten. Am Abend bin ich dann noch eine zweite Einheit gefahren, lockere 1.5h Grundlage. Ein cooler Tag war das heute, und endlich gibt’s in der Fotogalerie Bilder – hier der Link:

www.christophstrasser.at/fotogalerie_videos_filme/bilder/

Entering the desert...

Tag 6 – in der Wüste angekommen
Endlich haben wir die lange Reise über San Francisco, Morgan Hill und Big Bear Lake überstanden. So toll es ist viel herumzukommen und coole Leute zu treffen sowie herrliche Orte zu sehen, so anstrengend ist es auch. Wir sind froh in unserer „zweiten Heimat“ in Borrego Springs angekommen zu sein. Der Stress der letzten Tage fällt ab, es ist jetzt einfach nur schön hier zu sein und die innere Ruhe zu finden, und mal ordentlich durchzuatmen im kleinen Wüstenkaff. Der heutige Tag bestand nur aus Schlafen, Essen und Radfahren – darum sollte es für mich ja in den nächsten Tagen gehen. Nur mit der Änderung, dass ab dem RAAM Start das Schlafen wegfällt und nur mehr Radfahren und Essen übrig bleiben.
Wir haben den Tag genutzt um das Chaos im Auto zu beseitigen und uns in den neu renovierten Zimmern einzurichten. Zwei Trainingseinheiten zu je zwei Stunden - unterbruchen durch eine Siesta - standen am heutigen Trainingsplan. Locker und voller RAAM-Vorfreude ging es durch die Wüste, die Temperatur war mit knapp unter 40°C zwar heiß, aber nicht unangenehm. Durch die Trockenheit und den Wind fühlt sich das gar nicht schlimm an, da ist ein schwüler Sommertag in Österreich anstrengender.
Falls sich jemand wundert, warum Lex auch so motiviert am trainieren ist, kann ich das gerne aufklären. Ein Blick auf die Startliste des Race Around Austria 1500 ist des Rätsels Lösung. Und noch mehr Infos dazu gibt’s im Gästebuch: Danny Hufnagel ist wieder in Hochform und wird seinem Ruf als bester Motivator (durch seine originellen und immer lustigen Einträge) gerecht. Ein Blick ins Gästebuch lohnt sich also!

Auf Vics Terrasse beim Interview

Tag 5 – von Big Bear Lake in die Wüste
Der heutige Tag war wieder einmal ausgefüllt bis auf die letzte Minute, wenn auch nicht ganz freiwillig. Während Lex am Vormittag in Big Bear, dem bildschönen Seengebiet auf 2000m Höhe, wo Vic ganz idyllisch in einer Blockhütte wohnt, trainieren war, unterhielten Vic und ich uns über meine Ziele und Erwartungen des heurigen RAAM, das der Schwerpunkt in seinem Buch sein wird. Wir waren bis Mittag in die Gespräche vertieft, bevor wir Lex und ich dann nach Palm Springs fuhren um einige Besorgungen für das Rennen zu erledigen. Die Realität in Amerika ist beim Einkaufen etwas anders als zuhause: Zwei Geschäfte in einer Stadt sind schon mal 15km entfernt, dazwischen gibt es dann 57 Ampeln, die natürlich keine grüne Welle kennen. Daher steht man circa 39 Mal bei Rot, und das dauert jeweils mindestens eine Minute. Meine Nerven haben versagt, ich war schwer frustriert weil der ganze Nachmittag im Auto verging, mein erstes Wüstentraining startete erst kurz vor dem Sonnenuntergang und ich kam im Stockdunkeln im Motel in Borrego Springs an. Immerhin habe ich jetzt mein Nervenkostüm wieder neu kalibriert und ich bin wieder Mal auf die unfassbar langen Rotphasen geeicht. Wird im Rennen dann ja wieder gleich sein, da heißts dann gegen den Sekundenschlaf bei roten Ampeln ankämpfen. Morgen geht’s dann los mit der Akklimatisation, die eine Woche dauern wird.

Baywatch - da fehlt nur mehr die Rettungsboje
Baywatch - da fehlt nur mehr die Rettungsboje

Tag 4 – am Strand von Malibu
Nein, nein, wir haben keinen Badetag eingelegt, aber die heutige Radrunde hat uns am Strand von Malibu entlang geführt. Diese Gegend ist schon beeindruckend, da werden Erinnerungen an die Rettungsschwimmer von Baywatch und den coolen Onkel Charlie wach. Wir zwei einfachen Steirerbuam in der großen weiten Welt der amerikanischen Film- und Serienstars... Es gibt hier keine normalen Häuser, sondern nur Luxus-Strandvillen, die sich am Pacific Coast Highway mit den Aussichtstürmen der Rettungsschwimmer abwechseln.
Das Training war hart, 150km bei ordentlichem Wind mit Zeitfahr-Intervallen standen schlussendlich am Garmin. Lex hat sich bei den Intervallen hartnäckig an mein Hinterrad geklammert und ließ sich nicht abschütteln! Zum Regenerieren fahren wir jetzt abwechselnd mit dem Auto, der Beifahrer kann immer aus dem „Futternapf“ naschen. Am Abend empfängt uns dann Vic Armijo, der RAAM-Journalist. Wir übernachten bei ihm und Vic wird mit mir noch einige Interviews führen, er arbeitet an einem englischen Buch über mich und meine RAAM-Teilnahmen. Morgen mittag werden wir dann in die Wüst e weiterfahren und dort unser Quartier für die nächste Woche aufschlagen.

Im Windkanal von Specialized wird auf Herz und Nieren geprüft

Tag 3 – im Windkanal von Specialized
Heute war es richtig aufregend: Nach einer Führung durch das Specialized Headquarter in Morgan Hill, kümmerte sich ein komplettes Team um meine Einstellung am Rad und die möglichen Verbesserungspotentiale in Hinblick auf die Aerodynamik. Nachdem eine Änderung der Sitzposition ausgeschlossen war damit ich keine Probleme im Rücken- und Nackenbereich riskiere, galt es in erster Linie mein verfügbares Material zu testen, damit ich bei jeder Windsituation das beste Equipment einsetzen kann.
Der Windkanal ist ein Wahnsinn, feinste Technik, 6 Turbinen mit einem Durchmesser von 2 Metern und genug Platz, um ein ganzes Pro-Tour-Team beim Mannschaftszeitfahren zu testen. Ich erwartete mir riesige Unterschiede zwischen Roubaix und Shiv, also Rennrad und Zeitfahrrad, sowie der Vollcarbonscheibe und den verschiedenen Laufrädern. In Wirklichkeit aber waren die kleinen Dinge viel ausschlaggebender!
Die Erkenntnisse waren dass ein offenes Trikot, das ich so gerne trage um einen Kühlungseffekt zu bekommen, das schlimmste ist, was man machen kann. Es kostet bei einer theoretischen Hochrechung auf 4800km mit 25km/h mehr, als die Scheibe und das Zeitfahrrad an Vorteilen bringen. Das beste Trikot wäre gar keines, sprich nackt zu fahren wäre am effizientesten, aber im prüden Amerika nicht von Vorteil…
Wir werden die Position der Trinkflasche, einige Feinheiten am Helm und am Trikot ändern. Alleine diese drei Umstellungen bringen auf das ganze RAAM umgerechnet volle 6 Watt Ersparnis, was circa 2,5h entsprechen würde. Das klingt jetzt nicht so überragend viel, aber hier ein Beispiel: Das wäre ein „Power-Nap“ zusätzlich pro Tag, oder hätte beim RAAM 2012 auch den Sieg ausmachen können.
Ich danke Specialized für diesen genialen, erkenntnisreichen und sehr lustigen Tag, die Jungs dort machen echt großartige Arbeit und die gemeinsame Mittags-Ausfahrt mit allen Mitarbeitern war ein zusätzliches Highlight.
Ich freue mich auf den Start und hoffe dass ich die Erkenntnisse auch am Asphalt umsetzen kann!

Vorbei an der Golden Gate Bridge
Vorbei an der Golden Gate Bridge

Tag 2 – kleine Tour um San Francisco:
Gestern war also doch was faul, nämlich das Shiv war kaputt. Genauer gesagt die Di2 funktionierte nicht mehr, die elektronische Schaltung war wie tot. Das traf mich fast wie ein Herzinfarkt, alle Teile waren nagelneu, frisch aufgebaut und jetzt nach dem Flug ist alles im Arsch? Lex und ich haben panisch alles probiert, mit dem zweiten Rad alle Teile durchgetauscht und den Fehler mit logischen Denken versucht zu finden. Doch es ging nix, der Fehler war mal hier und mal dort, schlussendlich ging beim Roubaix auch nix mehr. Nach einer kompletten Neuinstallation klappte zumindest das Roubaix wieder, das Shiv brachten wir in die nächste Bike-Werkstatt. Ich war schon sehr skeptisch… Elektronik ist halt cool wenns funktioniert, aber bei Defekten der reinste Horror.
Zum Kopf freibekommen gings dann in die Stadt, wir wollten die berühmten steilen Gassen, die Cable-cars, die Gefängnis-Insel Alcatraz und die Golden Gate Bridge sehen. Unglaublich beeindruckend! Amis bauen ihre Städte gerne im Schachbrett-Muster. Wenn dann Anstiege mit 20% im Weg stehen wird was gemacht? Richtig. Einfach gerade weiter. Das ergibt steile Gassen, die steilste ist die Lombard Street. Dort wurden in einer Gasse einfach Serpentinen gebaut, weil sonst wäre gar nichts mehr raufgekommen, nicht mal die Cable-cars, die ähnlich einer Straßenbahn mit einem Seilzug zwischen den Geleisen die Hügel raufgezogen werden.

Generell ist San Francisco die erste amerikanische Stadt, die mir wirklich sympathisch ist. Nette Leute, viele Radfahrer auf gut ausgebauten Radwegen, liebliche Häuser und Papiersäcke im Supermarkt, statt Unmengen an Plastik. Sogar die Polizisten waren nett!
Ich wurde nämlich gleich zweimal mit Sirene und Blaulicht (bzw. in USA blau, orange, rot und gelb – hier muss alles so bunt und blinkend wie möglich sein) aufgehalten. Einmal überholte ich links (statt rechts) ein Auto, was im trägen Stadtverkehr das normalste ist was es gibt, und einmal war ich am Radweg und fuhr an einer roten Ampel vorbei, die auch mir galt obwohl ich am Radweg keine Kreuzung hatte. Ich war kurz nervös, aber beide Police-Officers waren eher wie Freunde, die dich auf einen Fehler hinweisen und dir erklären wie du es in Zukunft richtig machst damit dir nichts passiert. So solls sein! In Österreich wird man bei solchen Kleinigkeiten oft wie ein Schwerverbrecher behandelt…
Die 3-Stunden Ausfahrt entlang der San Rafael Bay war wunderschön, und zum Abschluss holten wir dann auch ein wieder funktionierendes Bike ab. Irgendein Firmware-update hätte das Problem gelöst. Wie auch immer, jetzt sind wir richtig angekommen und legen los mit der finalen Vorbereitung aufs RAAM 2014!

Scicon Bags für den Radtransport
Scicon Bags für den Radtransport

Tag 1 – Anreise San Francisco:
Um 2.30h morgens trafen sich Lex und Mike bei mir und wir starteten nach Wien. Lex begleitet mich schon jetzt nach USA, Mike bringt uns zum Flughafen. Ich freute mich auf den Flug, denn ich war richtig müde. Nach meiner Abschlusstrainingseinheit, die sehr hart war (5h Tempotraining bei 315W - Link siehe unten), erlebte ich einen super stressigen Tag. Alleine während des Trainings läutete mein Handy 18 mal wegen versäumter Anrufe, zwei Sponsoren schickten mir die Produkte erst am letzten Tag usw… Außerdem musste ich noch packen, was zur Folge hatte dass ich die Nacht durchmachen musste.
Die Reise war fast verdächtig, verdächtig problemlos. Normalerweise sind Reisen nach Amerika immer sehr mühsam, es fängt beim Einchecken der Räder an, setzt sich beim Warten auf den Anschlussflug fort und findet seinen Gipfel im 11-stündigen Transatlantikflug, bevor man dann beim Einreise-Schalter über eine Stunde auf den Fingerabdruck und die Belehrung wartet, bis man endlich zur Gepäcksausgabe weitergehen darf. Dann noch banges Warten ob die Räder überhaupt ankommen und wenn ja ob sie auch nicht vom liebevoll handelnden Flughafenpersonal zerstört wurden.
Doch diesmal war alles perfekt: Kein Warten in Wien, schnelles einchecken, bei beiden Flügen Plätze in der ersten Reihe mit Beinfreiheit, Fingerabdruck war nach 10 Minuten erledigt und auch das Gepäck war unbeschädigt da. Mit dem gewünschten Mietauto, das nämlich weiß sein muss damit man die Sponsorenaufkleber gut sieht, was wiederum eine Lotterie ist weil man sich keine Farbe reservieren kann, cruisten wir ins Motel und dann bald ins Bett. Das war der schönste Anreisetag den ich je beim RAAM erlebt habe. Hoffentlich ist das ein gutes Omen!

Link zur Trainingseinheit: www.trainingpeaks.com/av/M2MIACSJCS34WGHCEXIQGQFYDY

Beitrag vom 03.Juni 2014