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24 Stunden von Fohnsdorf 2005

Das 24h-Rennen in Fohnsdorf stand wieder vor der Tür, und ich fühlte mich nicht besonders toll. Das RATA spürte ich noch leicht, vor zwei Wochen hatte ich mir beim Surfen die Schulter ausgekugelt, und vor einer Woche war ich mit leichtem Fieber zwei Tage im Bett. Aber ohne an die vergangenen Wochen zu denken und ohne nur ein bisschen zu jammern, bereitete ich mich bestmöglich vor. 2004 hatte ich hier meinen ersten Stockerlplatz geholt, dieses Ergebnis wollte ich verteidigen.
Hier ist noch ein kurzer Rückblick auf das Rennen im Vorjahr:
Ich startete langsam, war nach Halbzeit um den zehnten Platz klassiert. Die Bedingungen waren angenehm, leichten Regen gab es nur in den frühen Morgenstunden. Meine Taktik begann zu greifen: Ich schaffte es tatsächlich mein Tempo zu steigern (meine schnellste Runde fuhr ich in der letzten Stunde) und ohne auch nur ein einziges mal kurz abzusteigen durchzufahren. Ich machte Platz um Platz gut, und konnte in der letzten Stunde mit einem Endspurt noch den dritten Platz ergattern. Essen, Trinken, Umziehen und auch Pinkeln erledigte ich alles am Rad. Mein erstes richtig gutes Ergebnis!
Das Teilnehmerfeld war meiner Meinung nach bislang das stärkste, Bernhard Aldrian gewann vor Thomas Jaklitsch, hinter mir war Alexander Gepp auf Platz vier!

Heuer waren Jaklitsch (Verletzung) und Gepp (hat ein tolles RAAM als achter hinter sich) nicht am Start, dafür aber ein anderer Top-Fahrer: Dammerer Peter aus Krems startete im Einzel, nachdem er heuer im Zweier-Team das RAAM gewonnen hat. Gegen ihn rechnete ich mir absolut keine Chancen aus, auch Aldrian war wieder dabei.
Ich beschloss diesmal von Beginn an etwas schneller zu fahren, denn ich wollte wieder einen guten Platz holen und etwas riskieren - es ist ja mein Heimrennen!

Ein paar Minuten vor dem Start begann es dann stark zu regnen. Das Wetter blieb stundenlang schlecht, was zur Folge hatte, dass die Strecke beinahe unbefahrbar wurde. Vor allem die Passage, wo die Fahrer ca. 30m (mit einer schwierigen Kurve) in der Wiese fahren mussten, wurde zur Katastrophe. Der Boden verwandelte sich zu einer Schlammgrube, wo speziell die Rennradfahrer riesige Probleme hatten. Die vielen Mountainbiker verteilten noch dazu den ganzen Dreck auf der gesamten Strecke, sodass jede Kurve noch gefährlicher wurde. Die meisten Kurven in der Abfahrt mussten im Schritttempo gefahren werden, was wiederum zur Folge hatte, dass bei fast allen die Bremsbeläge nach ein paar Stunden verbraucht waren. Ich ließ die Bremsen nachziehen, hatte aber keine Reservebeläge mitgenommen.Ich hatte schon ganz schlimme Bedenken, wie ich das Rennen überhaupt zu Ende bringen sollte. Nach genau fünf Stunden (ich lag an guter dritter Stelle) unterbrach die Rennleitung das Rennen und ließ die Schlammpassage von der freiwilligen Feuerwehr sanieren. Die Pause dauerte schließlich zwei Stunden, die mir ganz gut taten. Es war genug Zeit zum Duschen, Essen, Massieren lassen und Umziehen. Zum Glück konnte ich auch noch neue Bremsbeläge auftreiben: Hössi hat mir seine Reservebeläge gegeben, sodass auch dieses Problem behoben war. Danke!

Mit voller Motivation ging es dann um 21.00 Uhr weiter, und es besserte sich auch das Wetter! Leider blieb die Strecke noch einige Stunden feucht und dreckig, was noch zu zahlreichen Stürzen führte. Mich erwischte es auch zweimal in der Start-Ziel-Haarnadelkurve! Es blieb aber bei einer recht harmlosen Schürfwunde, die mich am weiterfahren nicht weiter hinderte. In der Folge trocknete die gesamte Strecke, und ab Mitternacht ließen sich sogar die Sterne blicken. Ich fand einen guten Rhythmus, und fuhr die Nacht problemlos durch. Mittlerweile war ich auf den zweiten Platz vorgestoßen, da die anderen Einzelfahrer alle pausierten. Bis zum Vormittag schien die Situation ziemlich klar: Bernhard Aldrian war mit etwa 5 Runden klar in Führung, an zweiter Stelle lag ich, und hinter mir kündigte sich ein Kampf um Platz drei an, zwischen Leitner Heimo und Dammerer Peter, die beide zwischen 3 und 5 Runden hinter mir lagen.

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An dieser Situation änderte sich auch bis zum Ende nichts wesentliches mehr. Aldrian kontrollierte das Rennen souverän von der Spitze aus und ich war nur mehr bestrebt meinen zweiten Platz zu halten. Hinter mir wurde es spannend, bis sich schließlich Dammerer kurz vor Schluß noch den dritten Platz holte. Die letzte Stunde war nur mehr zum "Genießen". Ich fuhr mit dem Führenden gemeinsame Runden und wir genossen es, den "Arbeiterheim-Hügel" hinauf zu sprinten. Falls man dieses Tempo nach 23h noch als Sprint bezeichnen kann. Die Stimmung war an dieser Stelle in den letzten Stunden wieder unglaublich: bei blauem Himmel waren laut Platzsprecher 1000 euphorische Zuschauer anwesend, die mit Gashupen, Trommeln, Ratschen und Anfeuerungsgeschrei für eine unvergessliche Atmosphäre sorgten. Es war so laut, dass ich kein Wort mehr verstand, was mir mein Bruder zurief. Mir lief es hier jede Runde kalt über den Rücken. Genau das ist es, was das Rennen in Fohnsdorf so besonders und unvergesslich macht!